"Wir wollen keine Pyjama-Städte"

4. Oktober 2013, 17:25
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Die rot-grüne Stadtregierung präsentierte die Stadtteile, die in den kommenden 15 Jahren in Wien errichtet werden sollen

Wien – "Wien ist die am schnellsten wachsende Stadt im deutschsprachigen Raum", betonte Wiens Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) am Freitag – und die Wohnpreise sind in den letzten Jahren in Wien derart an den Plafond marschiert, dass sie jetzt quasi Dachgleiche feiern.

Die von Vassilakou und dem SP-Planungssprecher Gerhard Kubik am Freitag präsentierte Antwort darauf: eine neue Wohnbauoffensive mit vorwiegend geförderten Wohnbauten. Zusätzlich zu den bereits bekannten und auf Schiene gebrachten Stadtentwicklungsprojekten wie Flugfeld Aspern, Hauptbahnhof, Nordbahnhof, Nordwestbahnhof werden bis 2014 nun sieben weitere Stadtteile gewidmet – und sollen in den nächsten zehn, maximal fünfzehn Jahren errichtet werden.

Dabei geht es um insgesamt 177 Hektar – das ist in etwa die Größe der Wieden -, auf denen 13.400 Wohnungen für bis zu 33.000 Menschen und bis zu 12.000 Arbeitsplätze gebaut werden. Die Flächen befinden sich in den Bezirken Landstraße, Favoriten, Floridsdorf und Liesing. Konkret geht es um die Planungsareale Franzosengraben im 3. Bezirk, Viola-Park und Verteilerkreis im 10. Hieb, Gaswerk Leopoldau und Donaufeld im Transdanubischen – sowie im 23. Bezirk das Erweiterungsgebiet "In der Wiesen Ost" sowie ein ehemaliges Gewerbegebiet im Herzen von Atzgersdorf, direkt neben der Südbahn gelegen, das zum "Carrée Atzgersdorf" werden soll.

Für alle sieben Vorhaben sei "Bürgerbeteiligung von Anfang an" selbstverständlich, betonte Vassilakou – und zum Teil beteiligen sich die Bürger ja auch schon: Gegen ein paar dieser Projekte wie etwa Viola-Park regt sich bereits Widerstand. Etwa wegen des zu erwartenden zusätzlichen Verkehrsaufkommens.

grafik: der standard

Sammelgaragen am Rand

Vassilakou begegnet dem mit "modernen Mobilitätskonzepten", die in den neuen Stadtteilen Einzug halten sollen. Es gelte das Prinzip der "Stadt der kurzen Wege", in der möglichst viel zu Fuß und mit dem Rad erledigt werden kann – mit entsprechenden Querungsmöglichkeiten im Viertel. Die Autos sollen vorwiegend in Sammelgaragen an den Rändern der neuen Stadtteile abgestellt werden. Und überdies seien die Entwicklungsgebiete gut mit Öffis erschlossen – oder sie bekommen noch den Anschluss, wie der Verteilerkreis mit der U1-Verlängerung.

Auch sollen in allen neuen Gebieten mit den jeweiligen Bauträgern spezielle Mobilitätskonzepte entwickelt werden. Das könnte ein Car-Sharing zu günstigen Konditionen sein, die Einrichtung einer Mobilitätsberatung oder etwa eine kostenlose Jahreskarte der Wiener Linien für das erste Jahr in der neuen Wohnung.

Weiters hofft die Planungsstadträtin, dass ein Nutzungsmix von Wohnen, Freizeit und Arbeiten, Freiräume und Grünräume, begehbare begrünte Dächer sowie belebte Erdgeschoßzonen dazu führen, "dass die Menschen ihre Freizeit im Viertel verbringen und nicht wegfahren müssen. Kurz: "Wir wollen keine Pyjama-Städte" – also keine Viertel, die nur zum Schlafen und ansonsten nur zum Sich-Vertschüssen einladen.

Auf politischer Ebene habe es laut Kubik bereits "intensive Gespräche mit den Bezirken" gegeben. Aber er erwartet auch realistischerweise, dass "die Mühen der Ebene" noch kommen werden. Jetzt beginnt jedenfalls der Flächenwidmungsprozess – mit öffentlichen Informationsveranstaltungen in den Bezirken.

Baubeginn ist dann frühestens im Jahr 2015. Das gesamte Investitionsvolumen für die sieben Entwicklungsgebiete bezifferte Vassilakou mit rund 2,4 Milliarden Euro. Und das könne man durchaus auch als Konjunkturspritze verstehen, merkte sie an. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 5.10.2013)

  • Das Gaswerk Leopoldau: Auch ein Stadterweiterungsgebiet von Wien.
    foto: der standard/andy urban

    Das Gaswerk Leopoldau: Auch ein Stadterweiterungsgebiet von Wien.

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