"Die Konkurrenz ist zu groß geworden"

Interview4. Oktober 2013, 16:40
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Österreichs Pferderennsport kann sich längst nicht mehr selbst finanzieren, sagt Anton Gaal - Sein Wiener Trabrennverein erschließt andere Quellen

Standard: Wie geht's dem Wiener Trabrennverein, wie geht's dem Trabrennsport in Wien?

Gaal: Wir sind schuldenfrei. Und wir fahren. Zwar auf niedrigem Niveau, aber wir fahren.

Standard: Auf den Rennbahnen sinken Zuseherzahlen, Wettumsätze, Rennpreise - ein Teufelskreis?

Gaal: Es stimmt, dass sich der Rennbetrieb längst nicht mehr selbst finanzieren kann. Es ist zu zwei Dritteln eine Fremdfinanzierung notwenig, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Standard: Welche fremden Quellen werden da angezapft?

Gaal: Wir haben heuer drei Renntage nach Frankreich übertragen, das ist im Pferderennsport die Insel der Seligen, da gibt es immer noch tolle Wettumsätze. Beim Hunyady oder bei einem Derby machen wir in der Krieau vielleicht 100.000 Euro Umsatz. Zum Vergleich: Wenn wir einen normalen Renntag nach Frankreich übertragen, werden dort mehr als zwei Millionen umgesetzt. Daran sind wir beteiligt, aber natürlich in sehr geringem Maße.

Standard: Was bringt einen Franzosen dazu, auf Rennen in der Wiener Krieau zu wetten?

Gaal: In Frankreich hat der Pferderennsport generell Tradition, wie bei uns der Heurige. Im Sommer haben die Franzosen ihre eigenen Rennen, aber vor allem unsere Rennen im Winter sind wichtig für sie. Insgesamt werden 2014 neun österreichische Renntage nach Frankreich übertragen, sieben aus Wien, zwei aus Ebreichsdorf. Zuletzt haben sie einen eigenen Reporter zu uns in die Krieau geschickt, und sie waren hochzufrieden mit der Organisation und unserer Technik.

Standard: Und so hält sich der Trabrennverein über Wasser?

Gaal: Dazu kommen noch Mieteinnahmen. Heuer haben große Konzerte in der Krieau stattgefunden, Bon Jovi, Green Day, Robbie Williams. Das bringt uns einiges ein.

Standard: Stört nicht der Auf- und Abbau der Bühnen den Renn- und Trainingsbetrieb?

Gaal: Da gehen schon einige Wochen verloren, das ist natürlich mühsam. Aber bei den Trainern, die dann etwa nach Ebreichsdorf ausweichen müssen, zeigen wir uns erkenntlich.

Standard: Wie stark sind die Wettumsätze bei Pferderennen eingebrochen?

Gaal: Um bis zu sechzig Prozent in den vergangenen Jahren. Die Konkurrenz ist zu groß geworden. Euromillionen, 6 aus 45, die Ausweitung der Fußballwetten. Mit jedem Handy kann man alles bespielen, an jeder Ecke gibt es ein Wettlokal. Der Trabrennverein war einer der reichsten Vereine in Österreich, das spielt es schon lange nicht mehr. Vielleicht haben wir zu lange geglaubt, dass es so weitergehen wird. Und es ist halt nicht so weitergegangen. Aber der Rennsport in Österreich sichert immer noch hunderte Arbeitsplätze, und wir sind ein guter Steuerzahler.

Standard: Hat es nicht viel mehr Charme, in die Krieau zu gehen, als in das Wettlokal am Eck?

Gaal: Für mich ganz sicher, für etliche andere auch. Aber für die breite Masse wohl nicht.

Standard: Stimmt es, dass die Stallungen auf die andere Seite der Bahn übersiedeln sollen?

Gaal: Es laufen Verhandlungen zwischen der Stadt, dem Trabrennverein und der Gesellschaft, die bereits das Viertel Zwei in der Krieau errichtet hat. Es geht darum, ob und was auf dem derzeitigen Stallgelände gebaut werden kann. Es wird wirtschaftlich gut zusammengearbeitet. Eine wichtige Rolle hat der Denkmalschutz, die Stallungen sind ja geschützt. Ich will die Trabrennbahn auf Jahrzehnte abgesichert wissen.

Standard: Denkmalgeschützt sind auch die drei Tribünen, von denen freilich nur eine gebraucht wird und renoviert wurde. Sind die anderen dem Verfall preisgegeben?

Gaal: Auch hier gibt es wohl Überlegungen, ob nicht doch eine wirtschaftliche Nutzung möglich wäre. Und auch das gilt es mit dem Denkmalamt abzuklären.

Standard: In direkter Nachbarschaft wurde die neue WU eröffnet. Können Sie sich vorstellen, dass die Krieau von der WU profitiert?

Gaal: Vielleicht wird unsere Gas-tronomie davon etwas haben. Aber ich gehe nicht davon aus, dass man auf der WU ein Wettpublikum rekrutieren kann.

Standard: Was wäre passiert, wenn Frank Stronach sein Geld in die Krieau investiert hätte, statt in Ebreichsdorf das Magna Racino aus dem Boden zu stampfen?

Gaal: Er hätte sich in Wien ein Denkmal setzen können. Aber er ist ein Machtmensch, wollte die Alleinverantwortung. Und in Wien sind nun einmal viele Auflagen zu erfüllen. Stronach hat von Europa geredet, er wollte ein riesiges Wettsystem aufziehen. Aus all dem ist nichts geworden, und mittlerweile fährt auch das Magna Racino auf der Schmalspur. (Nikolaus Dolenz und Fritz Neumann, DER STANDARD, 5.10.2013)

ANTON GAAL (73) saß 17 Jahre lang für die SPÖ im Nationalrat, ist seit 2007 in Pension. Seit 2004 WTV-Präsident.

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