Abschlussarbeiten ohne Staubfänger-Schicksal

8. Oktober 2013, 13:00
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Der Wettbewerb "MakingScienceNews" verhilft Uni-Arbeiten zu mehr Öffentlichkeit - nun auch in Kooperation mit dem STANDARD

Endlich einmal gute Nachrichten. Vor dem Hintergrund immer schlechter werdender Studienbedingungen und chronisch unterfinanzierter Universitäten sei es besonders erfreulich, über positive Aspekte des Hochschulwesens sprechen zu können, sagte Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid gestern, Dienstag, bei der Preisverleihung von "MakingScienceNews".

Unter dem Motto "akademischen Abschlussarbeiten die Beachtung zu geben, die sie verdienen", wurde der Wettbewerb 2012 zum ersten Mal ausgeschrieben: in der Schweiz und gemeinsam mit der Neuen Zürcher Zeitung Campus. Heuer fand MakingScienceNews erstmals in Deutschland, gemeinsam mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und in Österreich, in Kooperation mit dem Standard, statt.

Master- und Diplomarbeiten aller Fachrichtungen, die im letzten Jahr abgeschlossen und mit "Sehr gut" beurteilt wurden, konnten eingereicht werden. 150 Absolventen beteiligten sich heuer - eine beachtliche Bilanz für den ersten Jahrgang, findet Anton Stadelmann, Organisator von MakingScienceNews.

Föderl-Schmid nutzte den Anlass, die Wichtigkeit eines hochschulpolitischen Gesamtkonzepts zu betonen. Es müsse Hochschul-Finanzierung und -Zugang im Blick haben. Stattdessen hänge man sich derzeit an einzelnen Punkten auf: "Die Studiengebühren werden uns wohl die nächsten Wochen und Monate beschäftigen. Aus diesen ideologischen Schützengräben kommt man schwer wieder hinaus."

Lehrer aus Sicht der Schüler

Mit dringenden Fragen des Bildungssystems beschäftigte sich auch die Diplomarbeit, die bei MakingScienceNews den ersten Preis - 3000 Euro, gesponsert von der Vienna Insurance Group - bekam: Thomas Staudinger schrieb über "LehrerInnenkompetenz(en) - eine Frage der SchülerInnenperspektive?". Besonders imponierte die Methodik seiner empirischen Forschungsarbeit: In offenen Gesprächen, also ohne vorgefertigten Fragenkatalog, erhob er die Erfahrungen und Meinungen von Schülern über ihre Lehrer - eine Perspektive, die noch weitgehend unerforscht ist.

"Ich habe lange an diesem Forschungsdesign gebastelt", sagte der Pädagogik-Absolvent der Uni Wien. So könne man die mannigfaltigen Faktoren herausarbeiten, die zusammengenommen in den Augen der Schüler einen guten Lehrer ausmachten. Hier spiele Fachkompetenz eine Rolle, vor allem aber, wie Interesse am Fach geweckt und die Lebenswelt der Jugendlichen im Schulunterricht eingebunden wird. Die von ihm erarbeiteten Kategorien sollen eine Grundlage für weitere Forschungsarbeiten bieten und einen Beitrag zur Diskussion um die Reform der Lehrerbildung leistet.

Der zweite Preis in Höhe von 2000 Euro ging an Matthias Minihold, Absolvent der Technischen Universität Wien. Unter dem Titel "Linear Codes and Applications in Cryptography" erforschte er, wie sogenannte lineare Codes als Verschlüsselungsmethoden bei Quantencomputern angewendet werden könnten.

Falls zukünftig Bankgeschäfte oder E-Mails über Quantencomputer abgewickelt werden, wären die derzeitigen Verschlüsselungsmethoden nicht mehr sicher. Als Minihold in einer Vorlesung hörte, dass lineare Codes dafür verwendet werden könnten, hatte er das Thema für seine Abschlussarbeit gefunden.

Magdalena Jetschgo, Politikwissenschaftsabsolventin der Uni Wien, erhielt für ihre Diplomarbeit "Demokratiebildung als Motor der Demokratisierung? - Eine empirische Analyse der Demokratiebildung in Bosnien-Herzegowina" den dritten Preis und 1000 Euro Preisgeld. Jetschgo, die einige Jahre in der Jugendarbeit tätig war, ist davon überzeugt: "Wenn man langfristig in einem Land etwas ändern will, sind Kinder und Jugendliche ein wesentlicher Ansatz." In 30 Interviews mit Schülern, Lehrern und Mitarbeitern von NGOs und dem Bildungsministerium arbeitete sie heraus, wie Bildung einen wesentlichen Beitrag zu Frieden leisten kann.

Jetschgo glaubt zwar nicht, dass ihre "Arbeit die Welt verändern wird", dennoch fand sie es "ernüchternd, wenn sie so im Regal vor sich hinstaubt". Daraus ergab sich auch die Motivation, ihre Arbeit bei MakingScienceNews einzureichen: "Es ist einfach sinnvoll, das anderen Leuten zugänglich zu machen." (grill, trat, DER STANDARD, 09.10.2013)

  • Die Gewinner von MakingScienceNews (von links): Thomas Staudinger (1. Platz), Matthias Minihold (2. Platz), Magdalena Jetschgo (3. Platz), Eva-Maria Köck (4. Platz), Alexander Scheurer (4. Platz), Bernhard Wlach (5. Platz), Robert Koch (5. Platz)
    foto: standard/cremer
    Die Gewinner von MakingScienceNews (von links): Thomas Staudinger (1. Platz), Matthias Minihold (2. Platz), Magdalena Jetschgo (3. Platz), Eva-Maria Köck (4. Platz), Alexander Scheurer (4. Platz), Bernhard Wlach (5. Platz), Robert Koch (5. Platz)
  • 1. Preis: Thomas Staudinger: "LehrerInnenkompetenz(en) – eine Frage der SchülerInnenperspektive?"

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  • 2. Preis: Matthias Minihold: "Linear Codes and Applications in Cryptography"

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  • 3. Preis: Magdalena Jetschgo: "Demokratiebildung als Motor der Demokratisierung? – Eine empirische Analyse der Demokratiebildung in Bosnien-Herzegowina"

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