Wie mehr Geld in KMUs fließen kann

4. Oktober 2013, 17:15
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Das 27. Alpbacher Finanzsymposium stellte konkrete EU-Initiativen als Alternative zum knappen Bankkredit vor

Die Ausgangsthese: Europa kann die Finanzierung seiner (vor allem) klein- und mittelständischen Unternehmen nicht mehr allein via klassischen Bankkredit leisten. Kreditinstitute fahren die Ausleihungen weiter zurück - "deleveragen", wie es hier im Bankersprech heißt. Wo also als Alternative die Zugänge zum Geld öffentlicher Banken liegen, war pragmatisches Thema des 27. Alpbacher Finanzsymposiums, des traditionellen Fachtreffens von Bankenchefs, Finanzvorständen und zunehmend auch EU-Funktionären.

Auch wenn Alain Pilloux, Direktor der Entwicklungsbank EBRD, mit "Den Pessimisten gehört sicher nicht die Zukunft" die positive Haltung beim Eröffnungspanel vorgab - luftige Diskussionen waren selten. Denn auf übergeordneter Ebene, zu den großen makroökonomischen Themen, also den Folgen der Sparpolitik, dem Wie des Schuldenabbaus, konnte auch Christian Keuschnigg, Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), in seiner aktualisierten Prognose nicht mehr als ein Nachlassen des Sturms, erste positive Konjunktursignale vermelden und in Aussicht stellen. Nachhaltiges, also selbsttragendes Wachstum blieb entworfen und diskutiert als Wunschkonstrukt.

Zum Weg dorthin allerdings gab es kaum Uneinigkeit der Experten (traditionell ist das Finanzsymposium stark männlich dominiert): strukturelle Reformen.

Dass das starke Engagement der heimischen Banken und in ihrem Gefolge der Unternehmen in den osteuropäischen Nachbarländern zu den großen Systembedrohungen gehöre, war heuer so gut wie vom Tisch. Ist Österreichs Rolle in CEE nachhaltig? Darauf gab es ein Ja: Der deutsche Moody's-Vizepräsident Dietmar Hornung zeigte in seinen Ratingcharts nunmehr grüne Verbesserungspunkte statt (wie noch vor drei Jahren) rote, versteht zwar das Diktum "abgesandelt" als Deutscher, teilt diese Einschätzung für den österreichischen Standort aber nicht. Und auch der Kapitalmarktbeauftragte und langjährige Sektionschef des Finanzministeriums, Wolfgang Nolz, brachte nur leise Zweifel am Budgetpfad zur Sanierung des heimischen Staatshaushaltes an.

Katalysatoren

Dass die Anstrengungen der EU-Kommission, zu kompensieren, was die Regulatorien von Basel III angerichtet haben, weit gediehen seien, belegte Hubert Cottogni, regionaler Entwicklungschef des EIF, des milliardenschweren Finanzhilfevehikels der EIB, das den Banken eigenkapitalentlastende Finanzierungskonstruktionen bringt nach dem Motto der EU: Weg vom verlorenen Zuschuss, hin zur Mobilisierung privaten Kapitals, vor allem auch für KMU. Also mehr Impact mit weniger europäischem Steuergeld.

"Stark euphorisch", so umreißt Cottogni seinen Ausblick für die neuen Finanzierungschancen im Gespräch mit dem Standard. Denn nun sei im ersten Schritt das Portfolio an unterstützenden Instrumenten (etwa Garantien, Risikoteilung bei Verbriefungen) auch den jeweils nationalen Banken vorgestellt, bekanntgemacht. In Österreich ist etwa ein Pilot mit der Bank Austria/UniCredit im Markt "risk sharing initiative", um Geld an Mittelständler zu bringen in Tranchen zwischen 25.000 und 7,5 Mio. Euro, Auswege aus der Refinanzierungsmisere der Banken seien nunmehr gangbar. Was das bedeutet, macht er auch klar: "Ohne diese EU-Initiativen gäbe es praktisch keine Kredite mehr für KMUs." (kbau, DER STANDARD, 5./6.10.2013)

  • Starker Exporteur Europa mit vielen Ungleichgewichten, Wachstumszwang und Schuldenthema: Christian Keuschnigg (Direktor IHS), Andreas Maurer (Politikwissenschafter Universität Innsbruck), Christoph Neumayer (Generalsekretär Industriellenvereingung) mit Karin Bauer (STANDARD), daneben Veranstalter Hannes Enthofer (Finance Trainer) mit Hubert Cottogni (EIF) und 400 Banker, Finanzer und Firmenlenker.
    foto: thaler

    Starker Exporteur Europa mit vielen Ungleichgewichten, Wachstumszwang und Schuldenthema: Christian Keuschnigg (Direktor IHS), Andreas Maurer (Politikwissenschafter Universität Innsbruck), Christoph Neumayer (Generalsekretär Industriellenvereingung) mit Karin Bauer (STANDARD), daneben Veranstalter Hannes Enthofer (Finance Trainer) mit Hubert Cottogni (EIF) und 400 Banker, Finanzer und Firmenlenker.

  • Dietmar Hornung (Moody's), Wolfgang Nolz (Finanzministerium, Moderatorin Ingrid Turnher, Alain Pilloux (EBRD).
    foto: thaler

    Dietmar Hornung (Moody's), Wolfgang Nolz (Finanzministerium, Moderatorin Ingrid Turnher, Alain Pilloux (EBRD).

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