Anleihefonds: Wenn Könige zittern

4. Oktober 2013, 17:01
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Kräftiger Wind auf Anleihemärkten: Anleger ziehen Geld aus Bond-Fonds ab und treffen damit die Branchengrößen wie Bill Gross

Ein kräftiger Wind bläst Investoren auf den Anleihemärkten entgegen. Auch wenn die US-Notenbank Fed ihr milliardenschweres Kaufprogramm für Staats- und Hypothekenpapiere vorerst nicht zurück stutzt. An den Kapitalmärkten hat die kleine Zinswende dennoch eingesetzt. Die zehnjährigen Renditen von US-Staatspapieren liegen heute fast ein Prozentpunkt höher als im Mai 2013, in Österreich, Deutschland und Frankreich sind die langfristigen Zinsen immerhin 0,6 bis 0,7 Prozentpunkte höher als noch vor fünf Monaten.

In der Fondsbranche haben die steigenden Zinsen zu einer Ebbe geführt. Haben Anleger jahrelange ohne Einschränkung Anleihefonds gekauft, von Staats- bis zu Unternehmenspapieren, von den USA bis Kenia, ziehen sie jetzt Geld ab. Denn steigende Zinsen bringen bei den Anleihen fallende Kurse. Erstmals seit Jahren drohen den Investoren in sonst geradezu langweiligen und risikolosen Anleihefonds Verluste einzufahren.

Darauf haben sie reagiert. Laut Daten von Morningstar haben Anleger in Europa alleine mehr als 7,9 Milliarden Euro aus Anleihefonds abgezogen (Link zur Studie). Bereits den ganzen Sommer lang haben Anleger munter Geld aus Fonds mit festverzinslichen Papieren abgezogen. Im Juni und Juli sind laut Daten von Morningstar 24.5 Milliarden Euro aus der Anlageklasse in Europa abgeflossen.

Die Ebbe trifft gerade die großen Flaggschiff-Fonds. Also die Branchenvorreiter im Bond-Bereich aus den USA wie Pimco, Templeton oder Blackrock. Die Fondsanalysten schätzen, dass etwa vom Pimco Total Return Bond Fonds insgesamt 4,1 Milliarden Euro abgezogen wurden – alleine in Europa. Der größte Bond-Fonds der Welt, der von Bill Gross (siehe Bild) verwaltet wird, führt die Welle der Abflüsse auch in den USA an. "Anleihekönig Gross laufen die Untertanen davon", höhnte etwa die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Alleine im September haben Anleger fünf Milliarden Dollar aus dem Fonds gezogen. Die verwalteten Assets sind daher auf 250 Milliarden Dollar gefallen. Gross mahnt aber seine Investoren, dass sie die Gefahr steigender Zinsen überschätzen. Die Konjunktur ist immer noch zu schwach und die Notenbanken werden die Renditen weiter niedrig halten, glaubt der als "Bond-King" gefeierte Fondsmanager.

Kalte Füße bei Portfoliomanagern

Dabei sind es gerade professionelle Investoren wie Pensionsfonds oder Versicherungen, die zuletzt aus den Zinspapieren ausgestiegen sind. Davon zeugt etwa die jüngste Umfrage der Bank of America Merrill Lynch unter Portfoliomanagern. Die haben zu Protokoll gegeben, dass sie derzeit so wenig bei Bonds engagiert sind wie seit 2007 nicht mehr (siehe Grafik). Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass Aktienfonds nach Jahren des Desinteresses bei Investoren wieder Zuspruch finden. Wenn die breite Anlageklasse der Bonds nun dieses Jahr mit Verlusten beendet, wäre das erst das dritte Mal in 33 Jahren. Kein Wunder also, wenn Bondinvestoren kalte Füße bekommen und daher die Anleihekönige zittern müssen. (Lukas Sustala, derStandard.at, 4.10.2013)

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    foto: reuters/galbraith
    "Bond-King" Bill Gross muss sich über Abflüsse aus seinen Fonds ärgern
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    grafik: derstandard.at
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