Das beste Stück: Nachgefragt bei ... Thomas Glavinic

Ansichtssache6. Oktober 2013, 16:26
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Michael Hausenblas fragt den Schriftsteller, was es mit seiner alten Schreibmaschine auf sich hat

"Als ich vor über 20 Jahren begann, ernsthaft zu schreiben, habe ich mir diese Schreibmaschine ausgeliehen. Es ist eine Olivetti Lettera 32. Natürlich habe ich 'vergessen', wem sie gehört, weil ich sie nicht zurückgeben wollte. Bis heute hat sich zum Glück niemand gemeldet. Die Maschine hat Museumswert, und doch kann ich mir nicht vorstellen, einen Roman anders zu schreiben als auf diesem schweren Ding.

Zuweilen stehe ich Ängste aus, dass es eines Tages keine Farbbänder mehr für sie geben könnte. Auch deshalb schreibe ich manche Texte, zum Beispiel Kolumnen, mit dem Computer, um Farbbänder zu sparen. Wenn ich ein Buch beginne, nehme ich die Maschine vom Schrank, blase den Staub weg und stelle sie vor mich hin. Ihr metallener Geruch erzeugt für mich genau die Atmosphäre, die ich für meine Arbeit brauche. Wenn es sie nicht mehr gäbe, würde ich meine Bücher wohl mit der Hand schreiben." (Michael Hausenblas, Rondo, DER STANDARD, 4.10.2013)

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Thomas Glavinic

foto: nathan murrell

Thomas Glavinics bestes Stück: eine Olivetti Lettera 32.

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