Vor 20 Jahren schossen Panzer auf Russlands Parlament

Ansichtssache4. Oktober 2013, 16:09
114 Postings

Russland gedenkt der blutigen Verfassungskrise im Oktober 1993

Moskau - 20 Jahre nach einer blutigen Verfassungskrise in Russland haben zahlreiche Menschen bei Gedenkveranstaltungen die mehr als 120 Toten der damaligen Straßenschlachten in Moskau gewürdigt. Am Fernsehzentrum Ostankino, wo beim Sturm auf das Funkhaus 46 Menschen erschossen worden waren, legten Vertreter von Parteien Blumen nieder.

Der Stabschef des damaligen Präsidenten Boris Jelzin, Sergej Filatow, sagte, das Vertrauen vieler Russen in ihren Staat sei am 3. und 4. Oktober 1993 schwer erschüttert worden. "Diese Krise wirkt bis heute nach", sagte er der Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta".

Parlament aufgelöst

Das Parlament stemmte sich damals gegen schmerzhafte Wirtschaftsreformen von Kremlchef Jelzin. Im Herbst 1993 eskalierte die Situation in einer blutigen Machtprobe. Jelzin erklärte den Obersten Sowjet für aufgelöst und setzte Neuwahlen an. Im Gegenzug erklärte das Parlament den Staatschef für abgesetzt. 

"Faschistisch-kommunistische Rebellion"

Die Abgeordneten verschanzten sich daraufhin im Weißen Haus, dem damaligen Parlament. Demonstranten errichteten in der Moskauer Innenstadt Barrikaden und griffen Sicherheitskräfte an. Jelzin sprach damals von einer "faschistisch-kommunistischen bewaffneten Rebellion", die man "schnellstmöglich unterdrücken werde". Als Demonstranten das Ostankino-Fernsehstudio und das Büro des Moskauer Bürgermeisters zu stürmen versuchten, rief der Präsident den Notstand aus.

Die Bilder vom Beschuss des markanten Gebäudes am Moskwa-Fluss durch Panzer auf Jelzins Befehl gingen damals um die Welt. Für den Tod der Soldaten, Polizisten und Zivilisten wurde nie jemand verurteilt. Im Dezember 1993 erhielt Russland eine neue Verfassung. (red/APA, derStandard.at, 4.10.2013)

foto: ap photo/alexander zemlianichenko

Demonstration gegen Jelzins Wirtschaftsreformen, 3. Oktober 1993

1
foto: reuters/tom szlukovenyi/

Barrikaden in der Moskauer Innenstadt

2
foto: reuters/tom szlukovenyi/
3
foto: reuters/tom szlukovenyi/

Jelzin lässt das "Weiße Haus" weiträumig abriegeln, in den Morgenstunden des 4. Oktober 1993 kommt es zu ersten Schießereien zwischen den im Gebäude verschanzten "Verteidigern des Parlaments" und Anhängern des Präsidenten.

4
foto: epa/supinski

Jelzin lässt Panzer auffahren

5
foto: epa/velenguri

Die Armee nimmt das Parlament unter Beschuss

6
foto: ap photo/alexander zemlianichenko

Mehrere Stockwerke das "Weißen Hauses" brennen

7
foto: ap photo/alexander zemlianichenko

Die "Verteidiger des Parlaments" geben auf.

Weiterführende Links:

Russia Today: Russian Parliament siege – as seen 20 years ago

Radio Free Europe/Radio Liberty: Twenty Years After: Key Players In Russia's October 1993 Crisis

8
Share if you care.