Wien als Vorreiter bei Homo-Rechten

  • Schwules Paar in Wien: Trotz Gleichstellung in allen Landesgesetzen kämpfen Homosexuelle auch in der Bundeshauptstadt gegen starke Vorurteile und gesellschaftlichen Ausschluss.
    foto: apa/schlager

    Schwules Paar in Wien: Trotz Gleichstellung in allen Landesgesetzen kämpfen Homosexuelle auch in der Bundeshauptstadt gegen starke Vorurteile und gesellschaftlichen Ausschluss.

Vor 15 Jahren wurde in Wien die erste kommunale Gleichstellungsstelle für Lesben und Schwule gegründet. In Sachen Homosexuellenrechte ist die Bundeshauptstadt seither dem Bund um einiges voraus

Wien - Im EU-Vergleich sei die Lage der Lesben und Schwulen in Österreich "nur mittelmäßig gut". Es seien manche Städte, die sich von diesem Bild positiv abheben würden, sagte Morten Kjaerum, Direktor der EU-Grundrechtsagentur (FRA) mit Sitz in Wien, am Donnerstag vor der Presse im Wiener Rathaus.

Ganz besonders herauszustreichen sei Wien, das in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten unter den europäischen Städten in Sachen Homosexuellen- und Transgendergleichstellung sogar zu den Vorreitern gehöre: "Diesbezüglich ist Wien eine offene Stadt", meinte Kjaerum anlässlich der "Amtlichen Buntmachung", einer eintägigen Fachkonferenz zum 15-Jahr-Bestehen der Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen.

Weiterhin Zweiklassengesellschaft

Besagte im Rathaus angesiedelte Stelle wurde 1998 unter der Ägide Renate Brauners, damals Stadträtin der SP für Integration gegründet; die erste solche kommunale Einrichtung in Österreich. Die politische Forderung und das Konzept dazu waren von den Wiener Grünen gekommen. Als Antidiskriminierungsbeauftragte wurden Angela Schwarz und Wolfgang Wilhelm nominiert, die diese Funktion bis heute ausüben.

Aufgrund von deren kontinuierlicher Arbeit und dem entsprechenden Commitment der Stadtregierung seien im Wiener Landesrecht inzwischen sämtliche Ungleichbehandlungen Homosexueller abgeschafft worden, betonte der Wiener Anwalt Helmut Graupner. Also sei es der Bund, der für das von Kjaerum erwähnte bloße "Genügend" in Homosexuellengleichstellungsfragen die Verantwortung trage.

Denn nach wie vor dürften Lesben und Schwule in Österreich nicht heiraten; die Eingetragene Partnerschaft, die seit 2010 existiert, komme einer Heirat rechtlich nicht gleich. Homosexuelle seien von der Fremdkindadoption ausgeschlossen, lesbischen und alleinstehenden Frauen seien Methoden künstlicher Befruchtung verboten. Graupner: "Nach wie vor sind Lesben, Schwule und Transgenderpersonen in Österreich Bürger zweiter Klasse."

Mobbing und Heimlichkeit

Und auch das Lob für Wien ist nicht ungetrübt, denn laut Antidiskriminierungsbeauftragtem Wilhelm ist die rechtliche Gleichstellung nur die Grundlage für ein gesellschaftliches Umdenken. Hier steuerte Kjareum Zahlen aus einer EU-weiten Studie zur Situation Homosexueller aus 2012 bei: Etwa dass in Österreich 89 Prozent der geouteten homosexuellen oder transgenderorientierten unter 18-Jährigen angaben, in Schule oder Lehre wegen ihrer "anderen" sexuellen oder Geschlechtsidentität gemobbt worden zu sein. Daher setzten viele auf Heimlichkeit: in Österreich 69 Prozent.

Detto gaben 20 Prozent aller offen schwulen oder lesbischen Arbeitnehmer an, im Jahr vor der Befragung im Job oder bei der Suche nach einem solchen wegen ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert worden zu sein. "Für Wien ist das ein Auftrag, künftig die Aufklärung zu forcieren", sagte die für Integrationsfragen zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger (SP). (Irene Brickner, DER STANDARD, 4.10.2013)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 73
1 2
das bild zeigt gut, was schwul in Wien bedeutet: anonym verpixelt. man will ja nicht dabei erkannt werden...

Fuer echte Gleichberechtigung brauche ich keine "Homo-Rechte", denn dann werden ALLE GLEICH behandelt, ohne nachfragen mit wem ich mein Leben teile.

Wen interessiert was seine / ihre "Hetero" - Freunde im Bett (oder sonstwo) machen?
Wieso muss es dann so ein grosses Thema sein, wenn jemand "Homo" ist?

Geht die Oeffentlichkeit genausowenig an wie bei allen anderen.
Und wenn sich zwei Menschen lieben sollten sie das offen zeigen duerfen. Oder hat sich bei Frau und Mann schonmal jemand beschwert, weil die Haendchenhaltend durch die Stadt spazieren oder sich oeffentlich kuessen und umarmen. Schaut ja auch keiner hin. Nur weils alltaeglicher ist?

Traurig, dass die Gesellschaft immer noch nicht begriffen hat, worauf es wirklich ankommt.
Kleiner Tipp: Aufs Herz - egal in welchem Koerper

Es wäre schön, das zu verwirklichen.

Aber von so einer egalitären Gesellschaft, in der alle Gleichberechtigt sind und man daher gar keine besonderen Gesetze mehr beschließen muss, sind wir noch weit entfernt.

Liebe Frau Brickner,
es freut mich, dass die Bilder von Jürgen und mir noch immer ab und zu aus dem APA-Archiv gekramt werden. Unsere Gesichter zu verpixeln hätte ich nicht für notwendig gefunden.
Mit besten Grüßen
Gerhard Liedl (der linke von beiden)

Ist halt einfacher als euch zu fragen ;-)

Also es gibt "Panorama>Gesellschaft>Homosexualität und Homophobie" und dann gibt's die Dinge, die auf den untersten Rand der Hauptseite auf "dieStandard" abgeschoben werden.

Ich weiß, das ist seit Jahren ein Dauerbrenner, aber nocheinmal: Wer entscheidet auf welcher Basis, ab wann ein Lesben- und Schwulenartikel unter Quarantäne gestellt wird oder doch noch den "normalen" Ressorts zuzumuten ist.

Bitte erhellen Sie mich, inwiefern die nachfolgende Begründung auf den vorliegenden Artikel nicht ebenso oder vielmehr als auf den verlinkten Artikel zutrifft.
http://diestandard.at/plink/137... id33747006

Wenigstens nicht nur auf diestandard.

Das ist schon ein Fortschritt.

Community
10
4.10.2013, 16:32

Wir sehen dieStandard.at nicht als „Quarantäne-Ressort“. Hier werden Themen zu Politik, Kultur, Gesellschaft … behandelt. Genauso finden sich gesellschaftspolitische Themen wie dieses auch im Panorama-Ressort.

Aber unbestreitbares Faktum ist doch auch, dass dieStandard.at sogar im Vergleich zu den anderen Seiten hier ein ganz besonders widerliches "Gschmäckle" hat.

(sehr wohlmeinend ausgedrückt)

ich denke, von Leuten wie dir ist "widerlich" als Kompliment aufzufassen.

Das macht nichts.

Bevor man bei LGBT-Themen ein verpixeltes Bild hingibt,…

…gibt man lieber keines hin.

Diese verpixelten oder von hinten aufgenommenen anonymen Bilder erzeugen nämlich den Eindruck, dass Homosexualität etwas ganz schlimmes wäre, weil man sich ja verstecken muss.

Sie haben recht!!!

…aber Journalisten sind sich leider großteils nicht bewusst, wie unglaublich negativ diese Bilder die öffentliche Wahrnehmung beeinflussen.

dachte gerade an genau dasselbe. unglaubliche Entgleisung. wenn soetwas in der "krone" kommt, na dann gute nacht.

Der Dichand Hans hat darauf bestanden, daß weder er noch der Nimmerrichter Richard erkennbar sind.
Man beachte daß damals (ca 1900) schon in Farbe photographiert wurde!

Wenn man etwas Positives erreichen will,…

…dann muss man da ein Bild hinstellen, das einen sympathisch anlacht und sagt "Ja, ich bins und das ist auch gut so!"

Sowas z.B.:

http://de.fotolia.com/id/51901056

Hab ich auf Google unter "schwules paar romantisch" gefunden. Dort findet man zuhauf Stockphotos, die von Zeitungen käuflich erworben werden können.

Kann auch was weniger perfekt gestyltes sein. Hauptsache sympathisch und offen.

gestern war das bild noch nicht gepixelt

heute schon, warum ???

Ist das nicht total kontraproduktiv?

Stimmt! Lieber Standard, ist das nicht ziemlich kontraproduktiv und dem Ziel der neuen Anti-Diskriminierungs-Kampagne der Stadt Wien, wenn ihr die Gesichter der beiden Burschen verpixelt, so als wäre ihre Liebe etwas, für das sie sich schämen und daher unkenntlich gemacht werden müssen?!

(Und falls es am Copyrighz liegt, dann benutzt bitte das nächste Mal einfach ein Foto von einem Paar, von dem ihr die Rechte besitzt, weil so ein Verpixeln sendet eine völlig kontraproduktive Message!)

Vor wenigen Stunden waren die beiden Gesichter am Foto noch nicht verpixelt....

"vorreiter" würde ich in diesem bezug nicht verwenden

Passt besser zur Kirche.

Aber auch die Homo-Rechten sollten ihre politische Einstellung überdenken.

ösi-land ist eben eines der nationalrechtesten europas

haben ja auch die letzten wahlen wiedermal gezeigt. wenn wundert's da, dass es mit minderheitenrechten und in diesem fall eben mit homo-rechten nicht weit her ist? mich wundert eher, dass es nicht schlimmer hierzulande ist!

Posting 1 bis 25 von 73
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.