Faceless: Dahinter, darunter, darüber

7. Oktober 2013, 09:01
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Gesichtslosigkeit in Kunst und Mode: Die Schau "Faceless" im Wiener Museumsquartier

Jeder Mensch in unserer Gesellschaft hat eine Stimme. Darauf baut die Demokratie auf. Jeder Mensch hat aber auch ein Gesicht. Die Bedeutung dieses Satzes wird einem meist erst dann bewusst, wenn sich jemand weigert, es zu zeigen. Zum Beispiel aus kulturellen oder auch religiösen Gründen. Als der belgische Konzept-Modemacher Martin Margiela seine Models weiland mit verhüllten Gesichtern auf den Laufsteg schickte, wollte er vielleicht einfach nur den Fokus auf die Kleider legen. Oder eben die Frage thematisieren, welche Bedeutung Gesichter in unserer Gesellschaft haben.

"Faceless" nennen Kuratorin und RONDO-Autorin Brigitte Felderer und der Künstler Bogomir Doringer ihre Wiener Ausstellung, die jetzt in die zweite Runde geht. Im ersten Teil zeigten sie, welchen Reiz das Verstecken, Verhüllen oder Maskieren des Gesichts auf Kunst und Mode nach 9/11 ausübte.

Wider dem sozialen Tod!

Im Mittelpunkt des zweiten Teils stehen jetzt interdisziplinäre Arbeiten aus Mode und Kunst sowie Lectures, Performances und Workshops. Disziplinäre Systeme kreisen darum, Gesichter bestimmten Identitäten zuzuordnen. Dafür müssen sie eindeutig sicht- bzw. lesbar sein.

Die in der Schau gezeigte Kunst und Mode greift diesen Aspekt auf, sie lotet Möglichkeiten aus, die "eindeutigen Oberflächen unleserlich, ja unsichtbar zu machen, ohne dabei Gefahr zu laufen, auch einen sozialen Tod erleiden zu müssen", so Felderer. Ergänzt wird die Ausstellung durch Fotogalerien auf www.facelessexhibition.com. (hil, Rondo, DER STANDARD, 4.10.2013)

Die Ausstellung im Freiraum Quartier 21 im Wiener Museumsquartier geht bis 24. November. Dienstag bis Sonntag 13 bis 19 Uhr. Eintritt frei.
www.quartier21.at
  • "Faceless" bietet interdisziplinäre Arbeiten aus Mode und Kunst sowie Lectures, Performances und Workshops.
    foto: jill magid, "i can burn your face", 2008 © jill magid/courtesty of yvon lambert, paris

    "Faceless" bietet interdisziplinäre Arbeiten aus Mode und Kunst sowie Lectures, Performances und Workshops.

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    foto: irina gavrich
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