Der Zukunft auf der Spur

3. Oktober 2013, 17:57
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Utopien von unten: Das "Urbanize!"-Festival bietet Stadt zum Selbermachen und Selbsterfahren. Inklusive Erkundung der Seestadt Aspern

Wien - In den heutigen Zeiten des Retro-Chics und des Vintage-Irrsinns hat auch die gute alte Utopie oft etwas Nostalgisches. Man denkt versonnen an die ungebrochen optimistischen Hightech-Träume der 1960er-Jahre, bevor Öl- und andere Krisen die Visionen verblassen ließen. Zu Unrecht, denn Utopien sind so alt wie die Menschheit und in den globalen Megastädten wieder gefragt.

Die Forderung, sich der Zukunft wieder zuzuwenden, hat sich das "Urba­nize!"-Festival auf die Fahnen geschrieben, das heuer zum vierten Mal stattfindet. Unter dem fröhlichen, wie ein Manifest klingenden Titel Citopia Now lädt das zehntägige "Internationale Festival für urbane Erkundungen", das am Freitag eröffnet wird, zum Erkunden des Neuen im alten Wien ein. Wohnen, Mobilität, öffentlicher Raum und die gerechte Stadt sind dieses Jahr die Leitthemen, anhand derer die Möglichkeit einer besseren Welt ausgelotet wird.

"Die Lösungen der Vergangenheit funktionieren nicht mehr. Daher tauchen heute kleinteilige utopische Ideen wie Urban Farming wieder auf", sagt Festival-Organisatorin Elke Rath vom Verein für Stadtforschung dérive. "Städte können heute nicht mehr von oben nach unten geplant werden, die Menschen wollen mitreden. Deshalb zeigen wir auch keine großen Würfe, sondern praktikable Utopien für die Stadtgesellschaft."

Die Zukunft spürt man dabei mit allen Sinnen auf: Vorträge, Filme, Workshops sind während des Festivals in der ganzen Stadt verteilt. Das Projekt halbe Stunde Stadt hören des Wiener ­Performancekünstlers Oliver Hangl wird als akus­tische Feldforschung live im Radio übertragen. Er­kundet wird dabei nicht nur das Zentrum, sondern auch Ottakringer Gemeindebauten; transdanubisch ist man unter dem Titel Stadtge­flüster in Kagran und mittels vierstündigem performativem Stadtspaziergang zur Seestadt Aspern unterwegs.

Zum Abschlussabend laden die "urba­nize!"-Macher in der Festivalzentrale am Hundsturm zur Utopie-Schleuder. Hier ist jeder eingeladen, binnen sechs Minuten seine ganz eigene Vorstellung der goldenen Zukunft zu bewerben. Über die fünf besten Vorschläge entscheidet, ganz basisdemokratisch, das Publikum. (Maik Novotny, DER STANDARD, 4.10.2013)

Urbanize! Internationales Festival für urbane Erkundungen, 4.-13. Oktober

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 Urbanize

  • Die Formen urbaner Mobilität ändern sich. Bei "Post-Auto-Mobil" (8. Oktober) wird darüber im Hundsturm referiert und diskutiert.
    foto: guerilla futures/jason tester

    Die Formen urbaner Mobilität ändern sich. Bei "Post-Auto-Mobil" (8. Oktober) wird darüber im Hundsturm referiert und diskutiert.

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