Erdgas bremst Wasserstoff

Kolumne8. Oktober 2013, 19:07
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Das Thema E-Mobilität kühlt ab, die Wasserstoff-Brennstoffzelle rückt wieder in den Vordergrund. Doch die enormen Erdgasvorkommen bremsen die Entwicklung

Da kommt ein amerikanischer Unternehmer, schnallt seinem Auto die Batteriepacks von ein paar hundert Laptops um, baut einen Elek­tromotor ein und pfeift damit über die kalifornischen Highways. Das Ding bekam auch gleich einen hübschen Namen, wurde nach Nikola Tesla benannt, einem der innovativsten, beinahe irren Köpfe der Technikgeschichte und Begründer der modernen Wechselstrom-Elektrotechnik.

Schnell entwickelte sich ein Hype. Die Zeitungen schrieben offenbar, ohne viel nachzudenken, Dinge, die sie selbst auch noch glaubten. Sonst wä­re es nicht möglich gewesen, dass das Elektroauto in kürzester Zeit so extrem viel Aufmerksamkeit erregte, dass nicht wenige glaubten, über Nacht würde es überhaupt nix anderes mehr geben.

Zurück auf die Vernunftebene

Jetzt ist das Thema wieder etwas abgekühlt und wird doch über weite Bereiche auf der Vernunftebene diskutiert. Die Mühen der Ebene in Herstellung und Vertrieb von Elektroautos sind erreicht.

Auch um die Wasserstoff-Brennstoffzelle gab es bereits zur Jahrtausendwende ein Mordstamtam. Mittlerweile wissen wir: Die Wasserstoff-Brennstoffzelle hat heute wesentlich größere Chancen auf Verwirklichung. Damals stand im Wesentlichen der Wunsch nach emissionsfreiem Fahren im Mittelpunkt.

Heute zeigen mehrere zusätzliche gesellschaftliche Herausforderungen in die gleiche Richtung, nämlich die Forderung weg vom Erdöl und der hohe Bedarf an Speichermöglichkeiten für Strom aus Wind und Sonnenkraft. Hier stellt Wasserstoff eine attraktive Perspektive dar.

Es gibt allerdings auch einen Bremsfallschirm in der Entwicklung, das sind die enormen Erdgasvorkommen als sogenannte Brückentechnologie, in der wir noch für Jahrzehnte steckenbleiben können. (Rudolf Skarics, DER STANDARD, 4.10.2013)

  • Der Tesla initiierte eine Erwartungshaltung, an deren Ende keine Erfüllung stand.
    foto: wolf-dieter grabner

    Der Tesla initiierte eine Erwartungshaltung, an deren Ende keine Erfüllung stand.

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