Warum Redaktionen so schwer zu bewegen sind

4. Oktober 2013, 16:18
2 Postings

Die Tipps von "Guardian"-Online-Chef Wolfgang Blau für die ersten am Wiener Imim geschulten Medien-Führungskräfte - Mit Video von der Rede

Wien - Mittwochabend erhielten die ersten Führungskräfte ihre Diplome des Wiener Weiterbildungs-Studiengangs "International Media Innovation Management", kurz Imim. Festredner Wolfgang Blau, früher Onlinechef der "Zeit" und nun des "Guardian", hatte einige sachdienliche Hinweise für ihre künftige Tätigkeit.

Einfach werden sie es nicht haben, wenn die nun wohl permanente Revolution des Medienwesens wohl weniger Jobs für Medienleute, Journalisten hat und ihre Arbeitsbedingungen sich wesentlich von den früheren unterscheiden.

Gebraucht werden sie: Blau konstatiert eine "dramatische Knappheit an informierter Leadership in journalistischen Institutionen". Und viele Unternehmen in der Medienbranche seien nicht ausreichend gerüstet für die Krise.

Schwierig ist die Revolution, der permanente Wandel, auch wegen einer Grundeigenschaft von Redaktionen: "Warum wehren sie sich so gegen jede Form von Veränderung oder Reform?" Ganz logisch, findet Blau: Gute Redaktionen zeichnet ja aus, dass sie sich keinem Druck von außen, ob politisch oder wirtschaftlich, beugen. Das sei ihre Grundidee, ihre zentrale Aufgabe.

Die im Umgang mit den "besten Manipulatoren der öffentlichen Meinung", der Politik und ihren Beratern, geschulte Abwehr richten Redaktionen auch gegen Veränderung ihrer Organisation. "Sie sind zu smart für die üblichen Instrumente des Change-Managements", sagt Blau.

Und was rät Blau Führungskräften von Medienhäusern? Vier Punkte sieht er besonders wesentlich:

  • Mitarbeiter ehrlich über die wirtschaftliche Lage ihres Unternehmens zu informieren.
  • "Klar zu unterscheiden zwischen Unternehmen und Demokratie": Medienhäuser sind üblicherweise Unternehmen im Privatbesitz, erinnert er: "Jeder und jede hat eine Stimme", die zu hören sei, - "aber nicht jeder hat ein Stimmrecht".
  • Geschäftsführer und Ceos dürften (technische) Entwickler nicht als Nerds betrachten. Beide müssten in Teams zusammenarbeiten.
  • "Seien sie ehrlich in Ihrer Leadership: Übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Fehler, und teilen Sie Ihren Erfolg."

Einen Hinweis hat Blau noch für die Imim-geschulten Führungskräfte: "Nicht vergessen: Sie haben es mit Journalisten zu tun. Die sind nicht dumm." (fid, derStandard.at, 3.10.2013)

  • Wolfgang Blau rät Führungskräften "Mitarbeiter ehrlich über die wirtschaftliche Lage ihres Unternehmens zu informieren".
    foto: sagapacific

    Wolfgang Blau rät Führungskräften "Mitarbeiter ehrlich über die wirtschaftliche Lage ihres Unternehmens zu informieren".

  • Die Rede im Wortlaut.

Share if you care.