Herz-Aufzeichnungsgerät erstmals unter Haut injiziert

3. Oktober 2013, 13:29
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Das neue EKG-Überwachungssystem "Reveal Linq" ist so leicht und klein, dass es unter die Haut "gespritzt" werden kann

Ist die Reizleitung im Herzen gestört oder blockiert, kann es zu Rhythmusstörungen kommen. Da diese nicht immer wahrgenommen werden ist eine genaue Überwachung des Herzens bei vielen Patienten unter Umständen lebensrettend. Mit dem neuen "Reveal Linq System" kann dem Patienten erstmals weltweit ohne chirurgischen Eingriff ein Aufzeichnungsgerät unter die Haut "gespritzt" werden.

Nicht implantiert, sondern injiziert

"Seit etwa 15 Jahren implantieren wir zur Diagnose und Überwachung sogenannte Loop Recorder unter die Haut im Brustbereich. Bei uns werden erstmals die Geräte der neuesten Generation im Rahmen einer Studie eingesetzt", so Pürerfellner, Leiter des Rhythmuslabors am Krankenhaus der Elisabethinen in Linz. Die europaweite Zulassung des Gerätes wird für das Frühjahr 2014 erwartet.

Das etwa fünf Zentimeter lange und nur zwei Gramm schwere Gerät wird links neben dem Brustbein unter der Haut platziert. "Durch die schonende Art des Einsetzens wird die Komplikationsgefahr etwa einer Infektion minimiert", so der Kardiologe. Die Geräte der vorhergehenden dritten Generation waren länger, dicker und 15 Gramm schwer und mussten noch chirurgisch eingesetzt werden.

Permanentes EKG aufgezeichnet

An beiden Enden des Geräts befinden sich Elektroden, die permanent ein EKG aufzeichnen. Außerdem verfügt das Gerät über einen Sender, der die Daten zu einem Überwachungs-Monitor schickt. Dieser wiederum übermittelt die Daten zu einem Server, von dem der behandelnde Arzt sie im Spital jederzeit abrufen kann.

Die Daten werden einmal täglich automatisch abgelesen, der Patient kann aber selbst eine Messung mittels Handgerät durchführen. "Erscheint ein grünes Licht, ist der Rhythmus unauffällig, erscheint ein rotes Licht, liegt eine Rhythmusstörung vor. So weiß der Patient gleich über seinen Zustand Bescheid und kann eventuell seinen Arzt kontaktieren", sagt Pürerfellner.

Mittels permanenter Aufzeichnung des EKG und der Registrierung von unregelmäßigem Herzrhythmus durch den Loop Recorder können Patienten eruiert werden, denen man einen Herzschrittmacher oder einen Defibrillator implantieren muss, um sie vor erneuten Ohnmachtsanfällen oder dem Herz-Sekundentod zu schützen.
Die Überwachung dient aber auch zur präzisen Diagnose einer Rhythmusstörung (Vorhofflimmern) und zum besseren Management der Therapie.

Auch für Blutdruck und Zuckerwerte denkbar

Der Herzrhythmus ist das erste biologische Signal, das durch solche Loop Recorder permanent kontrolliert werden kann. Solche Systeme werden auch für andere Parameter wie Blutdruck oder Zuckerwerte erforscht und entwickelt. "Denkbar ist sogar, dass man Apps entwickelt, und irgendwann einmal ein Patient seinen Blutdruck über das Smartphone wird abfragen können oder er via Handy alarmiert wird, wenn eine gefährliche Unterzuckerung droht", so Pürerfellner. (red, derStandard.at, 3.10.2013)

  • Die Kardiologen Joachim Nesser (l.) und Studienleiter Helmut Pürerfellner (r.) mit einem der ersten Patienten, dem der neue Minirekorder injiziert wurde.
    foto: krankenhaus der elisabethinen linz

    Die Kardiologen Joachim Nesser (l.) und Studienleiter Helmut Pürerfellner (r.) mit einem der ersten Patienten, dem der neue Minirekorder injiziert wurde.

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