Französische Gendarmerie steigt auf Linux um

3. Oktober 2013, 12:29
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72.000 Rechner werden bis Sommer 2014 umgestellt

Die französische Gendarmerie, das Exekutivorgan welches für Sicherheit und Verbrechensaufklärung im ländlichen Raum zuständig ist, steigt auf Linux um. 37.000 Rechner sind bereits umgestellt, bis Sommer 2014 sollen alle 72.000 Desktoprechner mit den quelloffenen Betriebssystem laufen, wie Wired berichtet.

40 Prozent Kostenersparnis

Einer der ausschlaggebenden Gründe für den Abschied von Windows ist laut der Behörde die damit einhergehende Kostenersparnis. Man rechnet vor, dass die Verwendung von Linux und Open-Source-Anwendungen insgesamt um 40 Prozent weniger kosten soll, als weiter mit dem Microsoft-Betriebssystem zu operieren. Derlei Berechnungen sorgen immer wieder für Aufruhr, wie bereits die Linux-Umstellung der Stadt München gezeigt hat.

Langsame Umstellung

Um den Wechsel für die Mitarbeiter weniger abrupt zu gestalten, rüstete man zuerst auf Alternativ-Software zu Internet Explorer, Office und Outlook um. Im Zuge der seit 2004 geplanten Umstellung rüstete man bereits 2006 auf den Browser Firefox und den Mail-Client Thunderbird um und verwendet auch schon länger Open Office. 2008 wurden die ersten 5.000 PCs schließlich auf eine auf Ubuntu basierende Linuxausgabe umgestellt.

Es handelt sich laut Wired um eine der größten Linux-Einführungen auf Desktopsystemen. Zwar haben mehrere Regierungen, etwa Brasilien, sich zu mehr Open-Source-Software verpflichtet und in China und Indien werden gar eigens entwickelte Linux-Systeme verwendet – wie hoch die Adoptionsrate tatsächlich ist, bleibt aber unklar.

Hürden

Neben bestehenden Verträgen und auf proprietären Systemen basierender Infrastruktur ist acuh ein Problem, dass es nicht für alle Anwendungen taugliche Open-Source-Alternativen gibt und auch nicht von jedem benötigten Programm eine Linuxversion existiert. Miguel de Icaza, einer der Erfinder der GNOME-Desktopoberfläche, sieht frühe Verfehlungen hinsichtlich der Schaffung standardisierter, abwärtskompatibler Plattformen für Entwickler als Ursache dafür.

Dazu haben zahlreiche staatliche Organisationen oft speziell für ihren Bedarf entwickelte Systeme im Einsatz, die oft Windows-basierte Technologien wie Active X voraussetzen. Die Neuentwicklung kostet wertvolle Zeit und Ressourcen, hinzu kommt, dass manche Verwaltungsabteilungen auf Systeme anderer Abteilungen zugreifen, über welche sie keine direkte Kontrolle ausüben. Über Virtualisierung lassen sich solche Probleme auf Linux zwar lösen, dies setzt aber wiederum den Kauf von Windows-Lizenzen voraus und schadet dem Kostenvorteil.

Die Zeit spielt für Linux

Die aktuelle Entwicklung, die steigende Bedeutung von webbasierten Anwendungen und das langsame Rücken der eigentlichen Betriebssysteme in den Hintergrund könnte Linux hier in die Hände spielen. Das freie System könnte also zukünftig für zahlreiche große Organisationen eine verlockende Option werden. (red, derStandard.at, 03.10.2013)

  • Kommenden Sommer soll die Linux-Umstellung der französischen Gendarmerie abgeschlossen sein.

    Kommenden Sommer soll die Linux-Umstellung der französischen Gendarmerie abgeschlossen sein.

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