Nachwuchs profitiert von Internationalität

Blog3. Oktober 2013, 00:57
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Im Juniorenbereich wird in den beiden höchsten Altersklassen eine internationale Meisterschaft ausgespielt. Österreichs Eishockey-Klubs profitieren davon

Nach der internationalen Öffnung der Erste Bank Eishockey Liga im Jahr 2006, die dem Bewerb eine veritable Aufwertung verschaffte, wurde der grenzübergreifende Spielbetrieb in Mitteleuropa im Sommer 2012 auch auf den Juniorenbereich ausgeweitet. Für die Nachwuchsprogramme in Österreich, Slowenien, Ungarn und Kroatien war die Schaffung der Erste Bank Young Stars League (EBYSL) rückblickend betrachtet ein Glücksfall.

Ursprünglich nur zweite Wahl

Allerdings stellte - was bisher öffentlich nicht bekannt war - die Etablierung dieser internationalen Liga anfangs nur eine Ersatzlösung dar. Nachdem der Liga-Hauptsponsor einen Teil seiner Zuwendungen an die Klubs nachhaltiger eingesetzt sehen wollte, planten die einheimischen EBEL-Vereine ursprünglich die Einführung eines sogenannten "Österreicher-Topfs" ähnlich jenem in der Fußball-Bundesliga. Erst als der Mehrheit der Verantwortlichen im Zuge der Verhandlungen dämmerte, dass eine solche Konstruktion ob des zu kleinen Marktes an österreichischen Spielern die finanzkräftigeren Klubs bevorzugen würde, verwarf man die Idee, ein im Fußball praktikables Konzept plump auf das völlig anders strukturierte Eishockey umzulegen.

Professionalität bringt Geld

Quasi als Ersatzlösung wurde die Schaffung einer U20-Liga nach Vorbild der EBEL ins Auge gefasst und letztlich auch umgesetzt, was aus österreichischer Sicht einer massiven Aufwertung der in den Jahren zuvor eher vor sich hin vegetierenden Meisterschaft in der höchsten Altersklasse des Junioreneishockeys entsprach. Mastermind hinter der Strukturierung und regulativen Ausgestaltung des neuen Bewerbs war und ist Ex-KAC-Manager Oliver Pilloni, der zum Commissioner der EBYSL ernannt wurde.

Er war es auch, der einen Katalog an von den teilnehmenden Vereinen zu erfüllenden Bedingungen erarbeitete, an welche die Auszahlung der vom Ligasponsor zur Verfügung gestellten Zuschüsse gebunden ist. Nur Klubs, die hauptberufliche A-Lizenz-Trainer einsetzen, mindestens sechs Trainings pro Woche absolvieren und die sportmedizinische Betreuung ihrer Spieler gewährleisten, können mit Maximalbeträgen rechnen.

Chancenlose Österreicher

Ihre erste Auflage erlebte die EBYSL im Vorjahr, mit insgesamt 334 wurden annähernd gleich viele Spiele ausgetragen wie in der Profiliga EBEL (363). Damit wurden sowohl quantitativ wie auch qualitativ neue Maßstäbe gesetzt und ein für das Nachwuchseishockey in zentraleuropäischen Nationen zuvor unbekanntes Level erreicht.

Die Saison 2012/13 hat jedoch auch gezeigt, dass Österreichs Klubs immer seltener mit den Konkurrenten aus benachbarten und hinsichtlich ihrer Eishockeykultur hierzulande häufig geringgeschätzten Ländern mithalten können: Kein einziges der neun rot-weiß-roten Teams konnte sich für die Play-Offs qualifizieren, an deren Ende sich Székesfehérvár gegen Znojmo zum ersten Titelträger krönte. Von der hohen sportlichen Qualität in der meisterschaftsentscheidenden Phase abgesehen, drückte sich der hohe Stellenwert des Juniorenhockeys an diesen beiden Standorten auch in den Zuschauerzahlen aus: Insgesamt mehr als 4.000 Fans verfolgten die drei Finalspiele in den beiden Hallen in Ungarn und Tschechien.

Zweite Auflage mit ähnlichen Rahmenbedingungen

Mit 4.September 2013 startete die Erste Bank Young Stars League in ihr zweites Jahr, die Rahmenbedingungen entsprechen im Wesentlichen jenen der letzten Saison. Die vordergründigen Änderungen betreffen das nun 13 Mannschaften umfassende Teilnehmerfeld (siehe Grafik links) und den Spielmodus, der jetzt eine Punkteteilung nach 24 Runden vorsieht. Das Fehlen einer solchen wurde im Vorjahr speziell dem Villacher SV zum Verhängnis, der sich in der zweiten Saisonhälfte als spielerisch deutlich stärkstes österreichisches Team präsentierte, die Qualifikation für die Play-Offs aufgrund miserabler erster Saisonwochen aber deutlich verpasste.

Ungarisches Kollektiv als Favorit

Die Favoritenrolle hat im neuen Spieljahr Titelverteidiger Székesfehérvár inne, wo der erst 29jährige Kanadische Trainer Tyler Dietrich in den letzten beiden Jahren eine sehr homogene Mannschaft mit breitem Kader aufgebaut hat. Die Ungarn überzeugen weniger mit besonders herausragender individueller Klasse, vielmehr macht sie ihr ausgeglichenes Lineup, der kontinuierliche Einsatz von vier Blöcken und ihre taktische Reife zu einem nur schwer zu bezwingenden Gegner. Speziell auf eigenem Eis dominiert Fehérvár die Konkurrenz, wie 31 Siege in 32 Heimspielen seit Ligagründung und ein Torverhältnis von 172:33 eindrucksvoll belegen.

Eine Bilanz, die wenig fundierte Kritik verstummen lässt und lediglich ein Jahr alte Einschätzungen wie die eines Präsidiumsmitglieds eines österreichischen Traditionsklubs ("Unser Nachwuchs wird nicht davon profitieren, wenn er stundenlang im Bus sitzt, um dann gegen nicht konkurrenzfähige Ungarn anzutreten.") eher lächerlich dastehen lässt.

Ausgeglichenheit bei rot-weiß-roten Teams

Neben dem Team von Tyler Dietrich zählt auch Vizemeister Znojmo zum Kreis der Titelanwärter, wenngleich das Spiel der Tschechen deutlicher auf Einzelspieler wie die beiden Overager Marek Špaček und Lukáš Nováček zugeschnitten ist. Da die Vorjahresfinalisten beide in die Gruppe B eingeteilt wurden, scheinen hier die Tickets für das Halbfinale bereits vergeben. Den Vienna Capitals und den Lower Austria Stars sind im Kampf um die Play-Off-Qualifikation nur Außenseiterchancen zu attestieren.

Wesentlich ausgeglichener gestaltet sich das Bild in Gruppe A, in der faktisch jeder jeden schlagen kann und der Ausgang direkter Duelle sehr stark davon abhängt, welche an der Schwelle zur jeweiligen Kampfmannschaft stehende Spieler ein Team gerade einsetzen kann.

Realistische Chancen auf den Halbfinaleinzug haben alle sechs Mannschaften in der Gruppe, auch der EC Salzburg, der den Bewerb im Gegensatz zum Vorjahr wesentlich erster zu nehmen scheint. Das den Bullen eigene "Development Model" ist seit jeher stark international ausgerichtet: Das U21-Team nimmt heuer erstmals an der MHL, dem Nachwuchsbewerb der russisch geprägten KHL, teil, die U18 spielt erneut im selbst entwickelten Rookies Cup mit tschechischen Gegnern. Die Kader beider Mannschaften sind rund zur Hälfte mit Spielern ausländischer Herkunft besetzt, sodass junge österreichische Cracks speziell in der EBYSL zur Entfaltung kommen sollen.

Ausweitung auf den U18-Bereich

Wie wertvoll die internationale U20-Liga als nötiger Zwischenschritt bei der Überbrückung der in Österreich seit Jahren nahezu unüberwindbaren Kluft zwischen Junioren- und Senioreneishockey ist, hat bereits ihre Premierensaison gezeigt. Im Vorjahr in der EBYSL dominierende Spieler wie Patrick Berr (KAC), Alexander Rauchenwald (VSV), Jure Sotlar (Ljubljana) oder Gergõ Tóth (Székesfehérvár) haben heuer bereits erfolgreich den Sprung in die Kampfmannschaften ihrer jeweiligen Klubs geschafft.

Weitere werden folgen, speziell, da aus der "Notlösung EBYSL" längst ein auch von den Klub wertgeschätzter Bewerb mit Vorbildcharakter geworden ist. Nur logisch, dass man sich daher im Sommer dazu entschied, auch eine Altersklasse niedriger, in der U18, international zu spielen: 18 Vereine aus fünf Nationen bilden seitdem die Erste Bank Juniors League. Die strukturellen Grundlagen für eine erfolgreichere Nachwuchsarbeit als in den letzten gut zehn Jahren scheinen geschaffen. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 3.Oktober 2013)

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  • Sprungbrett EBYSL genützt: Alexander Rauchenwald, im Vorjahr zweitbester österreichischer Torschütze in der internationalen U20-Liga, gehört mittlerweile zum Stammpersonal in der Kampfmannschaft des VSV.
    foto: ecvsv.at

    Sprungbrett EBYSL genützt: Alexander Rauchenwald, im Vorjahr zweitbester österreichischer Torschütze in der internationalen U20-Liga, gehört mittlerweile zum Stammpersonal in der Kampfmannschaft des VSV.

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