Mensch und Roboter: EU-Forscher simulieren Planetenmissionen

4. Oktober 2013, 18:19
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Ein neues Projekt soll die Entwicklung kooperativer Technologien für Einsätze auf Mars und Mond vorantreiben

Wie trainieren Astronauten auf der Erde möglichst realistisch für Missionen auf anderen Planeten? Wie kann die Interaktion zwischen Menschen und Robotern im All weiterentwickelt und verbessert werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich ein internationales Forscherteam unter Leitung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) im Projekt "Moonwalk". Das Vorhaben wird mit 3,1 Millionen Euro von der Europäischen Kommission über drei Jahre gefördert.

Übungsmissionen in Frankreich und Spanien

Ziel des Projekts ist die Entwicklung und Erprobung von Technologien in simulierten Situationen für bemannte und unbemannte Missionen zu Mond und Mars. Der Fokus liegt dabei auf Kooperationen von Robotern und Astronauten bei der Erforschung von Planeten, etwa bei der Entnahme und Analyse von Gesteins- und Bodenproben. Übungsmissionen sollen im Mittelmeer bei Marseille und in Andalusien stattfinden.

Bei Simulationen von Mars- und Mondmissionen auf der Erde gilt es, die im All herrschende Schwerelosigkeit und die großen Zeitverzögerungen bei der Kommunikation mit dem Flugkontrollzentrum in möglichst realistischer Umgebung nachzustellen. "Moonwalk" plant zwei analoge Simulationskampagnen, um die gemeinsame Arbeit von Menschen und Robotern im All auf der Erde testen zu können.

Europas interessantestes Testgebiet: Rio Tinto

Unterwassertests in der Bucht der französischen Stadt Marseille sollen die Effekte der geringen Schwerkraft von Mondmissionen simulieren, während in der andalusischen Wüstenlandschaft des Bergbaugebietes Rio Tinto astrobiologische Probeentnahmeverfahren getestet werden sollen. Die Landschaft um den Fluss Rio Tinto, die eines der weltweit größten Sulfidvorkommen aufweist, weckte das Interesse von Marsforschern bereits in der Vergangenheit.

Die signifikante Färbung des Wassers und der Umgebung des Flusses hat ihren Ursprung vor allem in der Verwitterung von sulfidischen Schwermetallmineralen der dort vorkommenden Erzlagerstätte. Dabei handelt es sich vor allem um Pyrit (Eisen(II)-disulfid), aber auch um Chalkopyrit (Kupfereisendisulfid). Durch die mikrobiell bedingte Oxidation der Sulfidminerale, bei der die Schwermetalle als in Wasser gelöste Ionen freigesetzt werden, gelangen die Verwitterungsprodukte mit Niederschlagswässern in den Fluss und dessen Umgebung.

Diese außergewöhnlichen chemischen und geologischen Bedingungen machen die Umgebung des Rio Tinto zu Europas interessantestem Testgebiet für Marsforscher. So experimentierten Wissenschafter der NASA dort in den vergangenen Jahren mit Geräten und Messverfahren, die auf dem Mars zum Einsatz kommen sollen.

Die Forscher des Projekts "Moonwalk" erhoffen sich nun neue Erkenntnisse und Impulse für die Entwicklung alltauglicher Technologien. (red, derStandard.at, 4.10.2013)

  • Simulation eines Außenboard-Einsatzes im Mittelmeer bei Marseille im November 2012.
    foto: dfki

    Simulation eines Außenboard-Einsatzes im Mittelmeer bei Marseille im November 2012.

  • Die Landschaft des Rio Tinto in Andalusien ist aufgrund ihrer Beschaffenheit für Marssimulationen interessant.
    foto: nasa

    Die Landschaft des Rio Tinto in Andalusien ist aufgrund ihrer Beschaffenheit für Marssimulationen interessant.

  • Sie gilt als "Marslandschaft Europas".
    foto: nasa

    Sie gilt als "Marslandschaft Europas".

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