"Da sind Frauen einfach relaxter"

1. Oktober 2013, 19:06
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Männer sind gestresster, wenn unter Zeitdruck der Computer streikt, fanden Forscher heraus

Computerabsturz. Schon wieder. Nichts funktioniert. Wie soll man zeitgerecht mit einer Aufgabe fertig werden, wenn der Arbeitsdrang von der Technik ständig sabotiert wird? Sogenannter "Technostress" belastet das Verhältnis zwischen Mensch und Computer. Und auch die Wissenschaft lassen die Ärgernisse des Computerzeitalters nicht mehr kalt.

Oberösterreichische Forscher haben nun die kleinen Unterschiede zwischen Frau und Mann angesichts des Systemabsturzes aufs wissenschaftliche Tapet gebracht. Männer reagieren bei technischen Problemen und in Zeitnot gestresster als Frauen, fanden sie in einer aktuellen Studie heraus.

"Wir haben Probanden in zwei Gruppen geteilt und sie in einem Internetshop Produkte suchen lassen", erklärt der Konsumentenverhaltensforscher Harald Kindermann vom Campus Steyr der FH Oberösterreich, der gemeinsam mit seinen Kollegen René Riedl und Andreas Auinger und der Neurologin Andrija Javor vom AKH Linz den Technostress erforscht. Die eine Gruppe sollte die Aufgabe unter Zeitdruck, mit am Monitor eingeblendeten Countdown, erledigen, die andere Gruppe durfte sich ihre Zeit frei einteilen. Und bei beiden Gruppen wurde dafür gesorgt, dass der Computer nach zweieinhalb Minuten abstürzte und ein Fenster aufpoppte, das einen "fatalen Fehler" anzeigte.

Der Hautwiderstand, der dabei bei den Probanden gemessen wurde, "reagierte bei Männern deutlich stärker - aber nur wenn ein Zeitdruck vorhanden war", erläutert Kindermann. Ohne Zeitdruck sei der Absturz bei Männern wie Frauen relativ egal gewesen. Dass unter Zeitdruck Stress empfunden wurde, zeigt auch der Speicheltest auf das Hormon Cortisol, wie die Forscher bereits in einer früheren Studie zeigen konnten.

"Zeitdruck ist eine Form von Wettbewerb, und Männer sind evolutionär bedingt wettbewerbsorientierter", begründet Kindermann das Phänomen. "Da sind Frauen einfach relaxter." Für die Männer bedeutet der Technostress einen Beitrag zu einem auf lange Sicht erhöhten Gesundheitsrisiko. Stress begünstigt Bluthochdruck und damit Herzinfarkt und Schlaganfall. Er provoziert Magengeschwüre, Burn-out und Depressionen.

Cortisol im Blut führt langfristig auch zu einer Schädigung der Gehirnstruktur, so der Forscher. Dadurch leidet die Fähigkeit zum Abspeichern von Informationen. Wenn dem Gehirn dann im Alter die Kompensationsmasse fehlt, macht sich Demenz früher bemerkbar. (pum, DER STANDARD, 2.10.2013)

  • Cool bleiben, Mann. Dein Computerstress ist evolutionär bedingt.
    foto: archiv

    Cool bleiben, Mann. Dein Computerstress ist evolutionär bedingt.

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