Falterzählung mit vereinten Kräften

1. Oktober 2013, 18:47
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Hunderte Schüler erheben die Schmetterlingsvielfalt in Tirol

Citizen Science - Wissenschaft mit Bürgerbeteiligung - ist im Kommen. Engagierte Laien überprüfen beim World Water Monitoring Day die Qualität ihrer Wasserläufe, designen im Online-Spiel Foldit neue Proteinstrukturen oder melden lästige Insekten für die Erstellung eines deutschen Stechmückenatlas. In Tirol helfen sie nun bei der Erfassung der Schmetterlingsfauna.

Nicht nur viele Tier- und Pflanzenarten werden immer seltener, es gibt auch immer weniger Experten, die imstande sind, sie verlässlich zu identifizieren - ganz abgesehen davon, dass die Erfassung der Artenvielfalt eines bestimmten Gebietes ein zeit- und damit kostenintensives Unterfangen ist.

Das heuer gestartete Projekt "Viel-Falter" des Institutes für Ökologie der Universität Innsbruck untersucht die Möglichkeit, die Hilfe interessierter Laien in Anspruch zu nehmen, und gleichzeitig die Jugend für die Schönheit der Natur zu begeistern. Finanziert wird das Projekt im Rahmen des Forschungsprogrammes "Sparkling Science" des Wissenschaftsministeriums, bei dem Universitäten und Schulen zusammenarbeiten.

Gemeinsam mit den teilnehmenden Schulen haben die Innsbrucker Ökologen unter der Leitung von Ulrike Tappeiner und Johannes Rüdisser 32 Flächen ausgewählt, auf denen bis jetzt 410 Schüler und 21 Lehrer die herrschende Vielfalt an tagaktiven Schmetterlingen erheben.

Zu diesem Zweck sind sie mit einem vom Institut für Ökologie ausgearbeiteten Bestimmungsbogen unterwegs: Dieser zeigt Bilder von insgesamt 31 Faltern, wobei einige auffällige, wie Schwalbenschwanz oder Tagpfauenauge, als eigene Art festgehalten werden, weniger bekannte und schwierig zu unterscheidende hingegen nur in ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe, wie Bläulinge oder Wiesenvögelchen.

Ein Experte für seltene Schmetterlinge wird man so nicht, aber darum geht es auch nicht. "Das eigentliche Ziel des Projektes ist, zu schauen, ob man anhand einiger leicht zu bestimmender Falter ein Biodiversitäts-Monitoring aufbauen kann, das von Laien getragen wird", erklärt Ko-Projektleiter Rüdisser. Die Idee ist, dass die Anwesenheit dieser Flagship-Arten Rückschlüsse auf die Qualität des Lebensraumes für Schmetterlinge im Allgemeinen und das Vorhandensein seltener Falter im Besonderen zulässt. Auf solchen Flächen könnten dann Spezialisten gezielt Nachschau nach gefährdeten Arten halten bzw. Maßnahmen zu deren Schutz ergreifen.

Artenkenntnis ausgezeichnet

Apropos Spezialisten: Um die Ergebnisse der Schulen sozusagen zu eichen, werden die von den Schülern begangenen Flächen im Rahmen des Projektes auch von Schmetterlingsexperten und Vegetationskundlern untersucht. In der eben abgeschlossenen ersten Saison waren die Übereinstimmungen gut: "Die Artenkenntnis der Schüler ist ausgezeichnet", freut sich Rüdisser, der Parallelen zu Fußball-Stickeralben sieht: "Die Kinder können die Namen zu mehr als 20 verschiedenen Spielerfotos zuordnen - warum nicht genauso Schmetterlingsarten?"

Voraussetzung ist in beiden Fällen natürlich Freude an der Sache, doch daran mangelt es den teilnehmenden Kindern und Jugendlichen nicht. Auch Lehrer und Eltern werden von den Aktivitäten ihrer Schützlinge angesteckt: "Die erzählen, dass sie jetzt auch genauer hinschauen", erklärt der Ökologe, "und dieser Multiplikator-Effekt ist ein weiteres Ziel, das wir mit diesem Projekt verfolgen".

Wenig begeisternd war heuer allerdings das Wetter. Massive Regenfälle während der letzten Schulwochen schränkten nicht nur die Zeit ein, die die Kinder im Freiland arbeiten konnten, sondern beeinträchtigten auch die Schmetterlingsfauna. "Vor allem die talnahen Arten haben sehr gelitten", erklärt Rüdisser, bleibt aber optimistisch: "Deswegen ist das Projekt ja auf drei Jahre angelegt." (Susanne Strnadl, DER STANDARD, 2.10.2013)

  • Ein Kleiner Fuchs im Visier der jugendlichen Forscher. Ziel ist es, mit der Hilfe von Laien ein Biodiversitäts- Monitoring aufzubauen.
    foto: rüdisser j.

    Ein Kleiner Fuchs im Visier der jugendlichen Forscher. Ziel ist es, mit der Hilfe von Laien ein Biodiversitäts- Monitoring aufzubauen.

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