Das "Mailüfterl": Google würdigt Wiens Beitrag zur Computergeschichte

1. Oktober 2013, 12:06
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Mit Video-Beitrag ins "Computer Heritage Program" aufgenommen - Erfinder Zemanek: "Wahr ist was funktioniert"

Aktuell würde man Österreich eher selten mit den wirklich großen Innovationen in der Computerbranche verbinden. Dass dem nicht immer so war, daran erinnerte am Dienstag im Rahmen einer Festveranstaltung das Technische Museum Wien in Kooperation mit dem Softwarehersteller Google. Hat Letzterer nun doch das einst an der TU Wien entstandene "Mailüfterl" in sein "Computer Heritage Program" aufgenommen.

Bericht

Zu diesem Zweck wurde eine kurze Dokumentation erstellt, die ab sofort auf Youtube betrachtet werden kann. Darin berichten die Beteiligen - allen voran dessen "Erfinder" Prof. Dr. Heinz Zemanek - von der Erschaffung des ersten vollständig mit Transistoren arbeitenden Computers auf dem europäischen Festland.

Ab 1955 hatte Zemanek damit begonnen, die nötigen Bauteile zu sammeln und sich das dazugehörige Wissen anzueignen. Eine Anleitung zum Computerbau gab es damals schließlich noch nicht. Der entscheidende Durchbruch gelang, als man den niederländischen Elektronikhersteller Philips dazu bewegen konnte, 3.000 Transistoren für das Projekt zu spenden. Diese waren zwar eigentlich für Hörgeräte gedacht, und so selbst für damalige Verhältnisse nicht sonderlich schnell, erfüllten schlussendlich aber ihren Zweck.

"Wahr ist was funktioniert"

Die erste Berechnung des "Monsters", wie die Erbauer das "Mailüfterl" selbst augenzwinkernd kategorisieren, gelang dann am 27. Mai 1958. Es war die Primzahl 5 073 548 261, die der Computer nach 66 Minuten ausspuckte. Zemanek zeigt sich, wie er auch persönlich im Rahmen der Festveranstaltung betonte, bis heute äußerst zufrieden mit dem Erreichten. Als Ingenieur habe er zu Erfolgseinschätzungen einen simplen Zugang: "Wahr ist was funktioniert".

Namensfindung

Der Name "Mailüfterl" entstammt übrigens einer launischen Bemerkung von Zemanek selbst: "Einen dieser großen amerikanischen Stürme werden wir wohl nicht entwickeln, aber für ein kleines Wiener Mailüfterl wird's schon reichen". Im Endeffekt ist es dann doch deutlich mehr geworden. (apo, derStandard.at, 01.10.13)

  • Das Mailüfterl, ein Meilenstein der Computergeschichte.
    foto: google / youtube

    Das Mailüfterl, ein Meilenstein der Computergeschichte.

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