Kombinationswunder Karo

Blog1. Oktober 2013, 17:45
13 Postings

Die Karos haben uns in diesem Herbst wieder. Stellt sich nur noch die Frage: Wie klein kariert darf's sein?

Wenn Paris das wüsste! Denn in einem ist sich die französische Modemetropole mit dem herbstlichen Treiben in Wien, genauer im Wiener Prater, eins: Das Karomuster, es ist zurück - auf den Laufstegen an der Seine wie der Wiener Wiesn. Auf letzterer feiert es nämlich gerade fröhliche Urständ. Schürzen, Hemden, Blusen, Rockerln - alles wird mit kleinen und größeren Vichy-Karos überzogen. Die Farben? Hell und freundlich, die Laune soll ja nicht gleich in den Keller gehen.

Ob in Babyblau, Rosa oder Grün, ist sowieso einigermaßen gleich. Hauptsache, Busen und Wadeln werden ordentlich stramm in Szene gesetzt. Auf den zweiten Blick wird nämlich klar: Mit den großkarierten Vorschlägen aus der französischen Modemetropole haben die propperen Karos rund um den Praterstern doch wenig zu tun. Aber wer weiß? Vielleicht bedeutet das süßliche Vichy-Karo für so manchen der Einstieg ins saisonale Trendgeschäft.

Graben in der Jugendkultur

Das mit dem Karo stellt man sich in Paris zur Zeit folgendermaßen vor: Der Designer Hedi Slimane zum Beispiel hat für das Modehaus Saint Laurent Tischtuchhemden in knackigem Rot vorgeschlagen, die wie gar nicht gut gelaunte Grunge-Verschnitte daherlaufen. Der Designer gräbt nämlich für sein Leben gerne vergangene Jugendkulturen aus. Jetzt eben die Holzfällerhemden, die er dekorativ magere Modelschultern umflattern lässt. Genau so muss man das aber gar nicht nachmachen. Denn auch wenn es gerade wieder einmal zum guten Ton gehört, das karierte Flanellhemd eines Kurt Cobain aus der Kiste zu ziehen: In Wahrheit sind die Kombinationsmöglichkeiten unbegrenzt, denn das klassische Tartanmuster wird neu aufgegossen und mitunter ordentlich aufgeblasen.

Die Linien laufen längs wie quer über lange Wollmäntel mit viel Bewegungsfreiheit im Schulterbereich, über knielange Röcke oder Hosen. Und wer ordentlich Mut beweist, lässt ein Karomuster auf das andere treffen – alles ist erlaubt. Das sollten wir uns in Wien sowieso hinter die Ohren schreiben: Nicht nur auf der Wiesn im Kleinkarierten rumschunkeln.

Madonna hat das vor einigen Monaten ja auch schon vorgemacht. Sie erschien im Frühjahr zur Eröffnung einer Punk-Ausstellung im New Yorker Metropolitan Museum in einem karierten Blazer mit Nieten. Das klingt nicht wahnsinnig aufregend? Bitte weiterlesen, es geht ja nach unten hin noch weiter: da ein Hauch von Netz, die Beine bis zur Mitte der Oberschenkel eingerollt in schwarze Overknee-Strümpfe. Die stramm sitzenden karierten Rüschenblusen hätten an so etwas sicher auch ihre helle Freude. (Anne Feldkamp, derStandard.at, 1.10.2013)

>> Eine Auswahl aktueller Modelle

 

 

  • Madonna im Karo-Look...
    foto: reuters/allegri

    Madonna im Karo-Look...

  • ...anlässlich der Ausstellung "PUNK: Chaos to Couture", flankiert von Brahim Zaibat und Riccardo Tisci.
    foto: ap/agostini

    ...anlässlich der Ausstellung "PUNK: Chaos to Couture", flankiert von Brahim Zaibat und Riccardo Tisci.

Share if you care.