Warum Nacktmulle lange leben

30. September 2013, 21:00
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Kein anderes Nagetier hat eine nur annähernd so hohe Lebenserwartung wie der in Ostafrika beheimatete Nacktmull - Seit Jahren versuchen Wissenschafter, das Rätsel seiner Langlebigkeit zu lösen - Nun haben sie eine neue Spur gefunden

Washington/Wien - Sie gehören zu den eher nicht so putzigen Tieren des Planeten, aber auch zu den faszinierendsten. Nacktmulle verfügen nämlich über einige verblüffende Eigenschaften: Sie trinken nie und kennen auch so gut wie keinen Schmerz, da ihnen die Substanz P fehlt, ein Neurotransmitter zur Schmerzweiterleitung.

Besonders interessant für die Biomedizin sind Nacktmulle aber wegen ihrer Langlebigkeit: Während die meisten Nagetiere nach nur wenigen Monaten sterben - und zwar oft an Krebs -, können Nacktmulle bis zu 28 Jahre alt werden und bleiben zeit ihres Lebens von Tumoren verschont.

Im Juni dieses Jahres haben Wissenschafter rund um Andrei Seluanov und Vera Gorbunova von der Universität Rochester einen möglichen Grund dafür entdeckt: Die schrumpeligen, rund 15 Zentimeter großen Erdhöhlenbewohner verfügen in ihrem Bindegewebe über eine bestimmte Version der Hyaluronsäure, die in der kosmetischen Medizin als Faltenstraffer eingesetzt wird. Die spezielle Hyaluronsäure ermögliche den Tieren eine frühzeitige Erkennung von Krebszellen.

Seluanov und Gorbunova gaben sich damit nicht zufrieden und berichten nun in der US-Wissenschaftszeitschrift PNAS über eine weitere Entdeckung: Die Forscher nahmen die RNA der sogenannten Ribosomen unter die Lupe, also die Proteinproduktionsmaschinen der Zelle, wo Aminosäuren nach der Vorgabe der DNA zu den jeweiligen Proteinen zusammengesetzt und gefaltet werden.

Die Forscher fanden heraus, dass die RNA der Ribosomen eine einzigartige Struktur aufweist: eine Art spezielles Gerüst, das es ermöglicht, Proteine besonders fehlerlos herzustellen. Mäuse-Ribosomen machen beim Prozess der Proteinherstellung jedenfalls 40 Mal mehr Fehler. Wie sich diese Erkenntnis medizinisch nutzbar machen lassen könnte, wissen allerdings auch die Wissenschafter noch nicht genau. (tasch, DER STANDARD, 1.10.2013)

  • Schrumpeliger Methusalem: Ein Geheimnis seines hohen Alters steckt in den Ribosomen.
    foto: university of rochester

    Schrumpeliger Methusalem: Ein Geheimnis seines hohen Alters steckt in den Ribosomen.

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