"Im Speckgürtel ist uns der Durchmarsch gelungen"

Interview30. September 2013, 18:37
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Die FPÖ feiert in der Steiermark, wo sie mit Gerhard Kurzmann Teil der Landesregierung ist, den ersten Platz

STANDARD: Die Steiermark ist das einzige Bundesland, in dem die FPÖ am Sonntag mit 25 Prozent Platz eins belegte. Sind Sie Franz Voves und Hermann Schützenhöfer dankbar?

Kurzmann: In erster Linie ist dieses Ergebnis dem segensreichen Wirken von Faymann und Spindelegger in Wien zu verdanken, erst in zweiter Linie auch der rot-schwarzen Reformpartnerschaft in der Steiermark. Man kann die FPÖ jedenfalls als Protestpartei sehen.

STANDARD: Was man oft zu erwähnen vergisst: Sie sind nicht Opposition, sondern Teil der Regierung. Können Sie nicht mehr bewirken?

Kurzmann: In meinen Bereichen, dem Verkehr und auch im Umweltressort, haben wir gerade Sondermittel für die Sanierung von Straßen und Feinstaub auf den Weg gebracht. Da arbeiten wir friktionsfrei. Aber mit Gemeindezusammenlegungen haben wir nichts zu tun, auch nicht mit dem Pflegeregress, der viele Familien trifft.

STANDARD: Sie gewannen in der Steiermark viel auf Kosten der ÖVP. Warum?

Kurzmann: Ich bin überzeugt, dass auch viele SPÖ-Wähler die FPÖ gewählt haben. Im städtischen Bereich in der Obersteiermark. Das muss der SPÖ zu denken geben.

STANDARD: In der Obersteiermark blieb die SPÖ aber auf Platz eins. Ihre größten Gewinne haben Sie in östlichen, traditionell schwarzen Bezirken und vor allem in Graz und Graz-Umgebung. Da waren Gemeindefusionen nicht das Thema.

Kurzmann: Ja, im Speckgürtel Graz ist uns der Durchmarsch gelungen. Bei den Grazern hat sich der Bundestrend gegen Rot-Schwarz durchgesetzt. Da ist eine negative Grundstimmung, viele waren schon politikabstinent.

STANDARD: Haben Sie deswegen mit Mario Kunasek einen der breiten Masse weitgehend unbekannten Spitzenkandidaten aufgestellt?

Kurzmann: Mario Kunasek ist innerhalb der Partei sehr wohl bekannt. Als ich angefangen habe, hat mich auch keiner gekannt.

STANDARD: Heißt das nicht, es ist für die Protestwähler eigentlich wurscht, wen Ihre Partei aufstellt?

Kurzmann: Nein, aber die Menschen wählen den Stillstand ab.

STANDARD: In der Steiermark wählte man auch Reformer ab.

Kurzmann: Das ist doch noch keine Reform, wenn man Bezirke zusammenlegt, nur weil irgendwo ein Bezirkshauptmann in Pension geht.

STANDARD: Ihre Partei war ab 2000 auch ein paar Jahre in der Regierung. War das gut für Österreich?

Kurzmann: Der Fehler von Jörg Haider und Susanne Ries-Passer war damals, dass sie ein wenig konkretes Koalitionsabkommen unterschrieben haben. So sind wir unter die Räder gekommen.

STANDARD: Sonst sehen Sie rückblickend wirklich keine Fehler?

Kurzmann: Wir dürften uns nicht wieder mit Ressorts wie dem Sozialministerium abspeisen lassen und auf den Innenminister verzichten.

STANDARD: 2011 haben Sie einen Funktionär aus der Landes-FPÖ geworfen, weil ruchbar wurde, dass er Kontakte zu Neonazis pflegte ...

Kurzmann: ... nein, zu Skinheads!

STANDARD: Können wir uns auf Rechtsextreme einigen oder glauben Sie, das waren Linke mit Hakenkreuz-Tattoos?

Kurzmann: Sie waren jedenfalls demokratiefeindlich.

STANDARD: Der Mann fand dann bei der FPÖ in Wien Aufnahme. Wissen Sie, was aus ihm wurde?

Kurzmann: Als Landesparteivorsitzender habe ich nicht die Zeit, mich mit jedem ehemaligen Funktionär zu befassen. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 1.10.2013)

Gerhard Kurzmann (59) ist seit 2010 steirischer FPÖ-Landesrat für Umwelt und Verkehr.

  • Kurzmann Sonntagnacht (3. v. re.) beim Feiern mit Stadtrat Mario Eustacchio (2. v. re.) und Spitzenkandidat Kunasek (re.).
    foto: gubisch

    Kurzmann Sonntagnacht (3. v. re.) beim Feiern mit Stadtrat Mario Eustacchio (2. v. re.) und Spitzenkandidat Kunasek (re.).

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