Milch, der verschleuderte Energydrink

Blog1. Oktober 2013, 14:11
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Der Flügel verleihende Energydrink ist uns mehr als viermal so viel wert

Es gibt Themen, die Helmut Dungler so richtig emotionalisieren. Vor allem einmal das Tierleid natürlich - sonst hätte er ja nicht vor 25 Jahren die Tierschutzorganisation Vier Pfoten gegründet. Ein anderes Thema aber, bei dem er so richtig in den Saft gehen kann, ist die Milch. Und zwar nicht die Milch an sich, sondern was sie kostet.

"Milch ist doch das hochwertigste Lebensmittel, das wir überhaupt haben", empörte sich Dungler kürzlich. Und würde sie heute von einem findigen Geist erfunden werden, würde sie sicher als "Energydrink" in die Regale kommen. Ist aber nicht so - ganz im Gegenteil: Milch ist zu einem Billigprodukt verkommen. Denn was kostet sie? Ein Blick in die Supermarktregale zeigt: Den Liter Milch gibt's ab 0,95 Euro. 1,19 Euro ist das höchste der Gefühle. Das ist aber nicht einmal Biomilch - die ist billiger.

Milchpreis "kräftig gestiegen"

Und wie viel davon sieht der Bauer? Nicht einmal 40 Cent pro Liter. Dabei ist der aktuelle "Erzeugermilchpreis" (laut AMA waren es diesen Juli 37,37 Cent) sogar noch ein Grund für Jubelmeldungen - denn die Bauern hätten von einem stabilen Milchmarkt "profitiert" und der Milchpreis sei "kräftig gestiegen", meldete die Austria Presse Agentur am 19. September.

Die ver-rückte Wertigkeit

Was aber Helmut Dungler dabei vor allem ärgert, ist die im ursprünglichen Wortsinn ver-rückte Wertigkeit unserer Konsumgesellschaft, die sich hier offenbart. Denn nur ein paar Schritte weiter stehen Dosen in den Regalen. Dosen mit diesem Flügel verleihenden Energydrink drinnen. Und die Dose Red Bull gibt es um wohlfeile 1,39 Euro - da sind allerdings nur 250 Milliliter drinnen. Sprich: Ein Liter Red Bull kostet 5,56 Euro. Die 355-ml-Dosen sind im Vergleich dazu ein "Schnäppchen" mit einem Literpreis von 4,48 Euro. Und für die Herstellung seines Energydrinks braucht Herr Mateschitz keine Kuh großzuziehen und im Stall zu füttern oder auf die Weide führen.

In der Folge heißt das natürlich: Während die Bauern um bessere Preise kämpfen, kann Red Bull mit der Spanne zwischen Herstellungs- und Verkaufskosten das Image seines Produkts weiter aufpolieren. Geschätzt wird, dass das Unternehmen weit mehr in Marketing und Events steckt - nämlich rund 30 Prozent des Umsatzes -, als die Produktion kostet, wie das deutsche Magazin "Brand eins" bereits 2008 schrieb.

Moderat konsumieren

Auf den Red-Bull-Dosen wird übrigens gewarnt: "erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen ... In moderaten Mengen konsumieren." Soll sein. Milch, im Übermaß genossen, ist schließlich auch ein Knaller fürs Gedärm.  

Aber jeder kann sich selbst einmal grundsätzlich die Frage stellen: Was sollte mir eigentlich mehr wert sein - Milch oder ein Energydrink? (Roman David-Freihsl, derStandard.at, 1.10.2013)

  • Milch als Massenware im Supermarkt.
    foto: david

    Milch als Massenware im Supermarkt.

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