Smartphones sollen bei Erdbeben Leben retten

30. September 2013, 16:52
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Beschleunigungssensor und GPS könnten künftig wichtige Daten liefern

Die hohe Verbreitung von Smartphones birgt Potenzial, Erdbeben zu erkennen und deren regionale Intensität unmittelbar messen zu können. Zu dieser Erkenntnis sind Forscher des italienischen National Institute of Geophysics and Volcanology gelangt. Ihre Ergebnisse haben sie nun im Bulletin of the Seismological Society of America veröffentlicht. Wired berichtet ausführlich.

Zu diesem Zwecke haben sie die Beschleunigungssensoren, die heutzutage nicht nur in Telefonen, sondern auch zahlreichen anderen Mobilgeräten zu finden sind, auf ihre Tauglichkeit überprüft. Stellvertretend wurde das Modell LIS331DLH herangezogen, der unter anderem im iPhone 5 verbaut ist.

Gute Ergebnisse, aber...

Gedacht ist dieser eigentlich, dem Telefon stets mitzuteilen, wo "oben" ist. Das ermöglicht etwa den automatischen Wechsel in den Panoramamodus, wenn das Gerät seitlich gedreht wird. Mithilfe eines vibrierenden Tisches, wie er oft für seismologische Studien benutzt wird, fanden sie heraus, dass das iPhone-Accelerometer den in der Wissenschaft eingesetzten Modellen relativ ebenbürtig ist.

Die Sensitivität reicht allerdings nicht aus, um Erdbeben der Stärke 5 und weniger zu registrieren. Außerdem muss das Gerät in der Nähe des Epizentrums situiert sein. Ein Erdbeben fünften Grades verursacht üblicherweise aber keine Gebäudeeinstürze und nur minimale Schäden, trotzdem lässt dies natürlich Diskussionsspielraum für den Einsatz von Smartphones in diesem Bereich.

Schnellere Einsatzplanung

Die Forscher hoffen, dass die Sensoren in den kommenden Jahren besser werden. Smartphones könnten dann dazu verwendet werden, durch die Kombination aus Beschleunigungssensor und GPS festzustellen, in welchen Regionen die Erde am stärksten gebebt hat.

Dies könnte sich bei der Organisation von Rettungseinsätzen als sehr hilfreich erweisen und als Bereicherung für existierende Warnsysteme Leben retten. Die Anzahl der Todesopfer hängt laut den Forschern nach Erdbeben hängt in den meisten Fällen von der Heftigkeit der Erschütterungen und der Dauer bis zum Eintreffen von Hilfe ab.

Flottere App-Entwicklung

Auch Wissenschaftler der University of California erforschten bereits die Tauglichkeit der Accelerometer und kamen zu dem Schluss, dass deren Output eine brauchbare Unterscheidung zwischen Aktivitäten wie Gehen oder Laufen und einem Erdbeben ermöglicht.

Am MIT arbeitet man nun an der Erweiterung der App Inventor-Plattform, mit der man künftig einfach Apps zur Katastrophenhilfe erstellen können soll. Auf Basis des RDF-Standards soll es leichter werden, zahlreiche Datenquellen auf einmal zu überwachen und zu analysieren. (red, derStandard.at, 30.09.2013)

  • Die Sensorausstattung moderner Smartphones könnte sich künftig gut zur Katastrophenhilfe nutzen lassen - Internetanbindung vorausgesetzt.

    Die Sensorausstattung moderner Smartphones könnte sich künftig gut zur Katastrophenhilfe nutzen lassen - Internetanbindung vorausgesetzt.

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