Die Bundesländer-Ergebnisse zusammengefasst

29. September 2013, 22:10
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Vom Westwind der Neos bis zu östlichen Höhenflügen der Blauen

Burgenland folgt dem Trend, aber schaumgebremst

Es ist alles eine Frage der Relativität. Und so gesehen "hätte es schlimmer kommen können", meinte eine optimistische junge Dame im SPÖ-Büro. Und so meinte es auch Hans Niessl, ihr Landeshauptmann. Im Vergleich sei das Burgenland politisch immer noch stabil. Beinahe wäre sich sogar das Erreichen des Wahlziels - 40 Prozent plus - ausgegangen. "Wir sind aber immer noch die stärkste Landesgruppe der SPÖ.

Man muss eben auch mit den kleinen Trostpflastern vorliebnehmen können. Der ÖVP mit ihrem Wahlziel 30 plus blieb freilich auch das nur sehr eingeschränkt. Die Stimmung in der traditionellen Wahlbeobachterrunde im Büro von Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Steindl war schon am Nachmittag gedämpft und fatalistisch bis trotzig.

Man frug und frug sich nach dem Warum. Franz Steindl ortete einen Wählerverdruss wegen des enervierenden Blockademechanismus in der großen Koalition. Der burgenländische ÖVP-Chef erklärte dezidiert, dass sich das hinkünftig nicht ändern solle, sondern müsse. Oswald Klikovits, der parlamentarische Wehrsprecher der Schwarzen, konnte sich keinen Reim auf einzelne Ortsergebnisse machen, "da ist überhaupt keine Logik drin".

Den originellsten Schluss zog Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich. Schuld am neuerlichen Höhenflug der Blauen sei "natürlich schon auch die Politik", aber sehr wohl "auch die Medien, vor allem die linken, die die FPÖ raufschreiben" würden.

Mit solch analytischen Sorgenfalten wollten die Hinaufgeschriebenen sich freilich nicht herumschlagen. Burgenlands FP-Parteichef Johann Tschürtz, der im Frühsommer einen innerparteilichen Grabenkampf auszufechten hatte, war sichtlich baff. "Wenn ich ehrlich bin: Damit habe ich wirklich nicht gerechnet." Tschürtz aber meinte damit nicht das burgenländische Ergebnis, das, wie alle anderen Parteianteile auch, schaumgebremst den Bundestrend widerspiegelt.

Die Grünen, die im Burgenland zum zweiten Mal mit der jungen, ambitionierten Umweltsprecherin Christiane Brunner in die Wahl gezogen waren, haben auch zugelegt. Ein bisserl. Brunner aber möchte sich das Wahlergebnis dennoch nicht vermiesen lassen: "Wir sind die einzige Partei, die das historisch beste Ergebnis eingefroren haben. Ich bin sehr zufrieden."

Das ist klarerweise auch Rouven Ertlschweiger, Stronachs pannonischer Spitzenkandidat. Er hat mit seinem aus dem Boden gestampften Team im Bundesschnitt abgeschnitten.

Kleine Freuden

Mangels großer Freude labten Rot und Schwarz sich an den kleinen Dingen eines Wahlsonntags, den Ortsergebnissen. Im Landeshauptmannbüro verwies man zum Beispiel gerne auf das Ergebnis der Stadt Güssing, wo die SPÖ, wie schon bei den Gemeinderatswahlen im Vorjahr, die seit Ewigkeiten dominante ÖVP überholte.

Die wiederum genoss den Blick auf das Ergebnis aus der Neusiedler-See-Gemeinde Donnerskirchen, wo man die Roten von 37,6 auf 30,5 Prozent drücken konnte. Selber legte man dort von 30 auf mehr als 35 Prozent zu.

Die von Oswald Klikovits gesuchte Logik findet sich freilich auch in diesen kleinen Dingen nicht. Das Burgenland in der Nationalratswahl 2013 - ein Bundestrendsetter mit reichlich Lokalkolorit.

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