"Spaßverderber" Netanjahu

29. September 2013, 17:58
31 Postings

Israels Premier weiter für Härte gegenüber Iran

In der Mission eines bewussten "Spaßverderbers" auf der amerikanischen "Party" für Irans neuen Präsidenten Hassan Rohani sahen israelische Kommentatoren Benjamin Netanjahu, der heute, Montag, in Washington von US-Präsident Barack Obama empfangen wird. Tags darauf wird Israels Premier dann vor der UN-Vollversammlung in New York an die Welt appellieren, das iranische Nuklearprogramm zu stoppen.

"Ich werde die Wahrheit sagen", erklärte Netanjahu vor seiner Abreise. "Angesichts der süßen Lippenbekenntnisse und der Offensive des Lächelns muss man über Fakten reden - heute die Wahrheit zu sagen ist lebenswichtig für den Weltfrieden und für die Sicherheit unseres Landes."

Weitverbreitet ist in Israel die Sorge, die Amerikaner könnten sich durch Rohani "in die Irre führen lassen". Dessen freundliches Gesicht verberge demnach bloß die unveränderte Absicht der iranischen Führung, so rasch wie möglich den Punkt zu erreichen, an dem die Produktion von genügend spaltbarem Material für eine Atombombe nicht mehr verhindert werden kann. Sogar die gewöhnlich sehr Netanjahu-kritische Tageszeitung Haaretz schrieb am Wochenende: "Israel hat recht" - die USA sollten mit Rohani nur sprechen, wenn für die Dauer der Gespräche "die Urananreicherung und die Herstellung von Zentrifugen völlig ausgesetzt werden". Manche glauben, dass gegen Rohanis relativ moderate Interviews schwerer anzukommen ist als gegen die groben Attacken und die Holocaust-Leugnung seines Vorgängers Mahmud Ahmadi-Nedjad: "Meiner Einschätzung nach ist Rohani viel gefährlicher, weil er viel schlauer ist", sagte Schabtai Schavit, ein früherer Chef des Geheimdiensts Mossad, im israelischen Radio.

Geheimdossier für Obama

Der Londoner Sunday Times zufolge will Netanjahu Obama ein Geheimdossier vorlegen, wonach der Iran jetzt schon genug angereichertes Uran für einen nuklearen Sprengkörper habe. Zugleich gibt es aber auch in Israel Stimmen, die Netanjahu davor warnen, zu wild gegen den internationalen Strom zu schwimmen. Demnach habe Israel jetzt einfach keine andere Wahl, als abzuwarten, was bei den US-iranischen Kontakten herauskommt. So kritisierte sogar Finanzminister Yair Lapid Netanjahus Anweisung an Israels UN-Delegation, vor Rohanis Rede den Saal zu verlassen: "Israel sollte nicht wie ein Serienverweigerer von Verhandlungen auftreten." (Ben Segenreich aus Tel Aviv, DER STANDARD, 30.9.2013)

Share if you care.