Die Gärtnerei der etwas anderen Art

27. September 2013, 21:48
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In "Growshops" können Kunden unzählige Produkte rund um den Cannabiskonsum erwerben. Unter Österreichs Jugendlichen ist aber kein neuer Trend zu beobachten

Wien - Ein stickiges Geschäft, in dem sich Blumentöpfe und Düngemittel in den Regalen stapeln. Drei junge Kunden tragen soeben einen Sack Erde und weiteres Zubehör hinaus. Bei dem Geschäft handelt es sich jedoch nicht um eine gewöhnliche Gärtnerei, sondern um einen sogenannten "Growshop" im dritten Wiener Gemeindebezirk.

Der Begriff Growshop beschreibt eine Art Gärtnerei, welche sich auf den Anbau diverser Hanfpflanzen spezialisiert. Der Verkauf von Rauchzubehör wie Bongs oder langen Blättchen ist legal, Gleiches gilt für Cannabis-Samen. Nur weibliche Pflanzen, die den berauschenden Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) beinhalten, fallen unter das Suchtmittelgesetz.

Hinter der Kassa bedient der 25-jährige Besitzer Samuel Vardjan seine Kunden. Kalter Zigarettenrauch hängt in der Luft, im Hintergrund läuft Reggae-Musik. Vardjan hat den Growshop "Was denn ..." von seinen Eltern übernommen, die im Jahre 1989 das erste Geschäft dieser Art in Wien eröffneten.

Der Student der Universität für Bodenkultur berichtet von steigenden Umsätzen trotz der Krise und behauptet, dass seine Kunden aus allen Gesellschaftsschichten stammen - vom Anwalt über Ärzte und Geschäftsleute, die mit Anzug bekleidet den Shop betreten, bis hin zu Hilfsarbeitern. Der Student Vardjan sieht sein Geschäft als Stressabbau und Ausgleich zum Uni-Alltag.

Vermehrt haben einzelne Kleinparteien Österreichs in den letzten Wochen für eine Legalisierung von Cannabis plädiert. Der Growshop-Besitzer Vardjan hält jedoch nicht viel von einer Legalisierung: "Der Staat bräuchte ein ausgereiftes Jugendschutzgesetz, um die Legalisierung verantworten zu können." Unter anderem, weil die Drogenbehörde der Uno (UNODC) ihren Sitz in Wien habe und diesen bei einer Legalisierung des Rauschgifts abziehen würde.

Für Sonja Grabenhofer, Leiterin der Drogenberatungsstelle"checkit!", ist die Frage nach einem möglichen legalen Cannabiskonsum eine gesellschaftliche. Man solle die Konsumenten von Cannabis jedoch nicht kriminalisieren.

Probleme mit der Justiz hatte bei der Eröffnung des Shops bereits Vardjans Vater, der sich angesichts diverser Anklagen vor Gericht verantworten sowie hohe Gerichtskosten stemmen musste. Doch er ist kein Einzelfall - jährlich landen viele Cannabiszüchter und Konsumenten vor Gericht, um sich dort zu verantworten.

Gleichzeitig darf man die Gefahren von Cannabis nicht unterschätzen. Der Vergleich von Alkohol und Cannabis würde laut Grabenhofer hinken, da beide Substanzen unterschiedliche Langzeitfolgen haben. Erst die Konsummenge sei ausschlaggebend.

Manche Jugendliche greifen zu Cannabis aufgrund von Problembewältigung, Gruppenzwang und Neugier. Von einem neuen Cannabis-Trend kann man jedoch nicht sprechen, denn in den letzten acht Jahren hat sich das Konsumbild nicht verändert. Laut österreichischem Drogenbericht gehören vier Prozent aller 15-Jährigen zu den "heavy users", kiffen also mehr als 39-mal pro Jahr.

Der 16-jährige Alex hat vor zweieinhalb Jahren erstmals gekifft. Trotz gelegentlicher Angstzustände raucht er fast täglich. "Weil es mich wegchillt", sagt er. (Caroline Baumgartner/Alexander Radetzky/Lukas Schweighofer, DER STANDARD, 25.9.2013)

  • In "Growshops" werden unter anderem Bongs und Utensilien zum Züchten von Cannabis verkauft - alles ganz legal.
    foto: nadine dimmel

    In "Growshops" werden unter anderem Bongs und Utensilien zum Züchten von Cannabis verkauft - alles ganz legal.

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