Einkaufen im Pop-up-Einkaufszentrum

Interview29. September 2013, 17:00
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Clemens Hromatka will mit "40Bloxx" eine mobile Shoppingmall aus Containern schaffen und damit Baulücken und Brachflächen aufwerten

Auch Baulücken verdienen eine Zwischennutzung, meint Clemens Hromatka. Mit dem Projekt 40Bloxx will er dafür eine temporäre Shoppingmall schaffen, wie er im Gespräch mit Birgit Tisch erklärt.

STANDARD: Pop-up-Stores zur Zwischennutzung freier Ladenlokale gehören in Wien bereits zum Alltag, aber ein ganzes Pop-up-Einkaufszentrum ist neu. Widerspricht die Nutzung von Containern als Verkaufsfläche nicht der Idee der Pop-up-Stores?

Hromatka: Zwischennutzung ist ein großes Thema der Immobilienbranche, und zwar nicht nur im Leerstandsimmobilienbereich, sondern auch bei Baulücken. Und hierfür sind Container prädestiniert. Natürlich ist die Anzahl von Baulücken in Wien beschränkt, aber gehen Sie mal mit offenen Augen durch Wien und sehen Sie sich die Stadtentwicklungsgebiete und Entwicklungsachsen an - da kann man überall positive Akzente setzen. Und letztlich profitiert ja auch der Eigentümer einer Liegenschaft davon, wenn diese für einen gewissen Zeitraum vermarktet und damit Frequenz geschaffen wird: Das schärft das Standortprofil.

STANDARD: Warum glauben Sie, dass das Konzept eines Einkaufszentrums im Container in Österreich Erfolg haben wird? Wir haben doch schon jetzt eine der höchsten Verkaufsflächendichten in Europa.

Hromatka: Die Dichte ist zwar tatsächlich bereits sehr hoch, aber das Angebot an Marken und Unternehmen ist fast in allen Einkaufszentren und Einkaufsstraßen sehr ähnlich. Ich sehe deshalb grundsätzlich zwei Kundensegmente, die es bislang nicht in herkömmlichen Einkaufszentren gibt und für die so eine Containermall interessant sein könnte: Einerseits sind das durchaus größere und etablierte internationale Marken, die noch nicht in Österreich präsent sind, aber die Relevanz des Marktes testen wollen. Das können sie in der temporären Mall tun, und zwar ohne sich mit langfristigen Verträgen auseinandersetzen zu müssen. Die zweite Kundenschicht sind lokale Jungdesigner und junge Brands, die ansonsten nicht das finanzielle Pouvoir hätten, eine repräsentative Fläche in guter Lage langfristig anzumieten. Außerdem liegt die Stärke von 40Bloxx auch darin, dass damit Standorte bespielt werden können, die ansonsten mit stationärem Handel nicht erreichbar wären und damit auch nicht vergleichbar sind.

STANDARD: Wie sehen die Mietpreise in der Containermall aus?

Hromatka: Die Mieten werden zwischen 3000 und 4000 Euro pro Monat für einen ganzen Container mit 30 Quadratmetern liegen. Aber natürlich ist der Mietpreis auch abhängig vom Standort: Wenn wir am Graben oder im Museumsquartier unsere Zelte aufschlagen, haben wir natürlich höhere Kosten als abseits vom Zentrum.

STANDARD: Mit diesen Preisen rangieren Sie allerdings am oberen Ende der Preisskala: Die Spitzenmieten für Flächen in einem Einkaufszentrum liegen im Österreich-Durchschnitt bei etwa 100 Euro je Quadratmeter.

Hromatka: Uns ist bewusst, dass unsere Preise höher sind als die reinen Netto-Quadratmeter-Mieten von Ladenflächen. Allerdings müssen sich unsere Mieter nicht mit Ablösen oder der Ladeneinrichtung auseinandersetzen. Die Container sind bereits komplett ausgestattet, von der Ladenbaueinrichtung über Sound bis hin zur Beleuchtung. Nur das individuelle Branding obliegt noch den Mietern.

STANDARD: Wann geht das 40Bloxx-Projekt in die Umsetzung?

Hromatka: Wir planen einen Softlaunch zu Weihnachten und wollen dann Anfang nächsten Jahres wirklich nachhaltig auf den Markt. Der erste Standort, den wir im Auge haben, liegt in guter Lage, im dritten Bezirk in der Gegend um den Rochusmarkt.

STANDARD: In einer Baulücke?

Hromatka: Ja, es ist eine Freifläche, die in Zukunft bebaut werden soll, momentan aber nicht voll genutzt wird. (DER STANDARD, 28.9.2013)

Clemens Hromatka (30) ist Projektinitiator der Pop-up-Mall 40Bloxx.

  • Temporäre Container-Agglomerationen sollen für den Handel auch ungewöhnliche Verkaufsstandorte ermöglichen.
    foto: mostlikely

    Temporäre Container-Agglomerationen sollen für den Handel auch ungewöhnliche Verkaufsstandorte ermöglichen.

  • Marken und Unternehmen abseits vom Einheitsbrei in diversen Einkaufszentren sieht Clemens Hromatka als Klientel für 40Bloxx.
    foto: 40bloxx

    Marken und Unternehmen abseits vom Einheitsbrei in diversen Einkaufszentren sieht Clemens Hromatka als Klientel für 40Bloxx.

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