Wozu Anziehungskräfte messen?

30. September 2013, 10:11
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Wenn Unternehmen ihre Attraktivität als Arbeitgeber messen, dann zwecks Verbesserungen innen und außen

Umwälzungen in der Arbeitswelt, neue anspruchsvolle Generationen bei gleichzeitig immer weniger verfügbaren Jungen: Die Anziehungskraft als attraktiver Arbeitgeber samt Positionierung der Arbeitgebermarke (Employer-Branding) ist für alle Unternehmen ein Thema. Bei der heurigen dritten Fachtagung in Wien zum Thema (veranstaltet von Business Circle mit fachlicher Leitung von Deloitte) am Dienstag und Mittwoch dieser Woche war auch das Messen der Attraktivität samt möglicher Verwertung der Ergebnisse Thema: Ob mittels gebenchmarkter Mitarbeiterbefragung (Great Place to Work) oder mittels direkter Einzelinterviews (Investors in People) - es lässt sich messen.

"Weiterarbeiten an der Arbeitsplatzkultur", nannte Bernd Allmer, Personalchef der börsennotierten Frauenthal-Gruppe, die Motive, sich einer Zertifizierung nach Investors in People zu unterziehen. Und: "Es ist eine Intervention", sagt er auf die Frage nach den unmittelbaren Konsequenzen im Unternehmen. Denn - so viel lässt sich verallgemeinern - überwiegend wird Handlungsbedarf in der Führungskräfteentwicklung sichtbar.

Auch wenn es fast schon zum Stehsatz gehört: Wertschätzung, Anerkennung, Respekt, fruchtbares Feedback, diese Haltungen gegenüber den Mitarbeitern erscheinen entweder als zentraler Erfolgspunkt oder eben als (noch) defizitbehaftet. Erich Laminger, Geschäftsführer des Great-Place-to-Work-Instituts in Österreich, bezeichnete es aus seiner langjährigen Erfahrung heraus als "besonders schlimm", wenn Mitarbeiter Zweifel an Ethik der Firma und Moral der Vorgesetzten hegen.

Peter Pendl, Personalberater und Geschäftsführer der Investors in People in Österreich, macht die Tatsache des Erscheinens der Führungskräfte als zentraler Hebel auch an der Generation Y (nach 1980 Geborene) fest: Es handle sich auch um eine Generation "warum" - es werde nicht blind gefolgt, es werde hinterfragt. Das ergibt im Konzert mit der Affinität der Jungen zu Neuen Medien ein sehr grelles Schlaglicht auf die tatsächlich gelebte Unternehmenskultur.

Gewarnt wurde vor Messen als Selbstzweck und der Erwartung, sich innen nicht viel Mühen anzutun, bloß nach außen eine Marketingbotschaft zu senden. (kbau, DER STANDARD, 28./29.9.2013)

  • Von rechts: Bernd Allmer (Frauenthal), Peter Pendl (Investors in People), Erich Laminger (Great Place to Work) mit Karin Bauer.
    foto: standard/hendrich

    Von rechts: Bernd Allmer (Frauenthal), Peter Pendl (Investors in People), Erich Laminger (Great Place to Work) mit Karin Bauer.

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