Astronomen entwerfen erstmals Wolkenkarte eines Exoplaneten

28. September 2013, 18:00
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Atmosphären-Beobachtungen bei Kepler 7b bilden die Basis für zukünftige Suche nach außerirdischem Leben

Drei Jahre ist es her, dass das mittlerweile wegen technischer Probleme aufgegebene Weltraumteleskop "Kepler" den Exoplaneten "Kepler 7b" um einen sonnenähnlichen Stern im Sternbild Leier entdeckt hat. Es ist der einzige bekannte Exoplanet in dem System und wartet mit einigen Besonderheiten auf: So kreist Kepler 7b in nur neun Millionen Kilometern Entfernung um sein Zentralgestirn. Dafür benötigte er rund fünf Tage. Zum Vergleich: Merkur, der innerste Planet unseres Sonnensystems, umläuft die Sonnen in 88 Tagen in einem Abstand von 58 Millionen Kilometer. Außerdem hat Kepler 7b eine äußerst geringe Dichte: Der Planet ist zwar eineinhalb Mal so groß wie der Jupiter, hat aber nur 43 Prozent seiner Masse.

Allerdings ist es eine andere Eigenschaft, die den Gasriesen für die Wissenschafter noch viel spannender macht: Kepler 7b strahlt ungewöhnlich hell. Eine internationale Forschungsgruppe mit Beteiligung des Center for Space and Habitability (CSH) der Universität Bern konnte feststellen, dass der Planet etwa 50 Prozent des von seinem Mutterstern empfangenen Lichts reflektiert.

Nun haben Wissenschafter den Grund für diese starke Reflexion festgestellt: Kepler 7b ist offenbar von einer dichten Wolkendecke umgeben. Doch das ist nicht alles: Die Astronomen haben es erstmals geschafft, diese Wolken in verschiedenen Phasen der Umlaufbahn von Kepler 7b zu messen – und damit eine regelrechte Wolkenkarte zu erstellen. Die Daten bilden eine entscheidende Grundlage für die zukünftige Suche nach außerirdischem Leben. Eine erste Studie wurde nun im Fachmagazin "Astrophysical Journal Letters" publiziert, eine zweite im "Astrophysical Journal".

Wolken stören bei der Suche nach Leben

"Wolken hinderten uns bisher, mehr über die Atmosphäre eines Exoplaneten herauszufinden", erklärt Kevin Heng vom CSH. Einen chemischen Hinweis auf die potenzielle Anwesenheit von Leben liefern Licht-Spekten der Atmosphäre eines Exoplaneten. Sind jedoch Wolken in der Atmosphäre vorhanden, können die Messungen nur schwer interpretiert werden. "Deshalb versuchen wir Erkenntnisse über die Wolken selber zu gewinnen, um ihren Einfluss auf die Aussagen unserer Messungen berücksichtigen zu können", sagt Heng.

Aus der nun erstellen "Wolken-Karte" konnten die Forscher ableiten, wie groß die Partikel sind, aus denen die Wolken bestehen – was wiederum Rückschlüsse erlaubt über die Licht-Menge, welche die Wolken reflektieren oder absorbieren. "Mit zunehmenden Kenntnissen über den Wolken und den Atmosphären von Exoplaneten können wir eines Tages auch herausfinden, ob einige dieser Himmelskörper lebensfreundlich sind", sagt Heng. (tberg, red/derStandard.at, 28.09.2013)

  • Nur neun Millionen Kilometer ist Kepler7b von seinem Muttergestirn Kepler 7 entfernt. Für einen Umlauf benötigt der "heiße Jupiter" nur knapp fünf Tage.
    illustration: nasa

    Nur neun Millionen Kilometer ist Kepler7b von seinem Muttergestirn Kepler 7 entfernt. Für einen Umlauf benötigt der "heiße Jupiter" nur knapp fünf Tage.

  • Der heiße Gasriese Kepler 7b (rechts) ist rund eineinhalb Mal so groß wie Jupiter. Nun haben Astronomen dessen Wolkendecke kartiert.
    illustration: nasa/aldaron

    Der heiße Gasriese Kepler 7b (rechts) ist rund eineinhalb Mal so groß wie Jupiter. Nun haben Astronomen dessen Wolkendecke kartiert.

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