Wien 3, Parken für Feinspitze

Kolumne27. September 2013, 17:01
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Die Sackgasse vis-à-vis dem Kriegsmuseum ist parkraumbewirtschaftungsmäßig quasi eine Sonderwirtschaftszone - dort wird zweimal kassiert

Frau Maria ist eine pflichtbewusste Frau. Nicht nur als Hausbesorgerin, auch privat; als Autobesitzerin sowieso. Damit sie ihren roten Skoda guten Gewissens vorm Haus im Fasanviertel im dritten Bezirk dauerparken darf, leistet sich die gute Seele des Gemeindebaus von ihrem spärlichen Gehalt ein Parkpickerl.

Als sie jüngst mangels Abstellplatzes in die Enklave rund um das Arsenal ausweichen musste, erlebte Frau Maria ein blaues Wunder. Dieser Stadtteil gehört zwar ebenfalls zum Bezirk Landstraße, das flächendeckende Parkpickerl gilt aber nicht.

36 Euro trotz Parkpickerl

Denn die kleine, in den Schweizergarten reichende Sackgasse vis-à-vis dem Kriegsmuseum ist parkraumbewirtschaftungsmäßig quasi eine Sonderwirtschaftszone, ein Umstand, der freilich nicht gebührenfreies Dauerparken (wie bis vor Monaten möglich) erlaubt, sondern das Gegenteil: In der Heeresmuseumsstraße wird ungeniert zweimal abkassiert.

Ergo staunte Frau Maria nicht schlecht, als man ihr per Organstrafverfügung 36 Euro abverlangte. Warum just diese 300 Meter ein so teures Pflaster sind, erschloss sich ihr auch nach Beschwerde beim Bezirksvorsteher nicht. Hier gelte das Parkpickerl nicht, so die schnoddrige Antwort des (bei der Wahl am Sonntag leider nicht abwählbaren) Grätzeloberhauptes.

Kurzparkzeit versus Pickerlzeit

Auskunftsfreudiger ist die Landesverkehrsabteilung der Polizei: "In einer linearen Zone ist trotz Parkpickerls ein Parkschein zu lösen", klärt die nette Dame am Telefon auf. Weil nur ein Teil der Heeresmuseumstraße Kurzparkzone ist (die rechte Straßenseite ist den Kleingartensiedlern vorbehalten), ist gemäß Parkschild von 9-18 Uhr Parkometerabgabe zu entrichten.

Also Obacht: Wenn die Kurzparkzone vor der Parkpickerlzeit endet, wird doppelt kassiert. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 27.9.2013)

  • So sieht ein Auto aus, nachdem versehentlich ein Panzer darübergerollt ist. Ähnlich zerdrückt war auch das Gesicht von Frau Maria als sie vor dem Kriegsmuseum parkte.
    foto: epa

    So sieht ein Auto aus, nachdem versehentlich ein Panzer darübergerollt ist. Ähnlich zerdrückt war auch das Gesicht von Frau Maria als sie vor dem Kriegsmuseum parkte.

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