Kalorienzählen war gestern

27. September 2013, 10:40
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Kampf dem "verborgenen" Hunger - Mit Mikronährstoffen angereicherte Pflanzen gegen weltweite Unter- und Mangelernährung

Im Mittelpunkt künftiger Ernährungskonzepte stehen nicht mehr Kalorien, sondern Nährstoffe, die in Nahrungsmitteln enthalten sind. Denn nur damit lassen sich Unter- und Mangelernährung und die sich daraus ergebenden Krankheiten bekämpfen. Um eine langfristig nachhaltige und gesunde Ernährung der Menschen in Entwicklungsländern zu gewährleisten, ist die Zusammenarbeit unterschiedlicher Disziplinen erforderlich. Agrar-, Ernährungswissenschaften und Gesundheit müssen an einem Strang ziehen, um den "verborgenen" Hunger erfolgreich zu bekämpfen. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der internationalen Konferenz Science Forum 2013, die gestern in Bonn zu Ende ging.

Vitamin- und Mikronährstoffmangel

"Verborgener" Hunger tritt auf, wenn Menschen sich überwiegend und einseitig von Reis, Mais, Hirse oder anderen Grundnahrungsmittel ernähren. Zwar wird dabei genug Energie aufgenommen, aber nicht das erforderliche Maß an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen. Gegenwärtig leiden weltweit drei Milliarden Menschen vor allem in Entwicklungsländern unter Vitamin- und Mikronährstoffmangel.

Weder großangelegte Ernährungsprogramme noch landwirtschaftliche Programme waren bislang erfolgreich bei der Bekämpfung des verborgenen Hungers und seiner Folgen. Nun fordern Wissenschaftler eine bessere Einbindung der Frauen sowohl in Landwirtschafts- als auch in Ernährungsprogramme. Nur so können Ernährungsgewohnheiten langfristig geändert und Programme bedarfsgerechter gemacht werden. Auch in der Forschung müssen Frauen und ihre spezifischen Bedürfnisse künftig besser berücksichtigt werden. Die beim Science Forum 2013 anwesenden Fachleute bescheinigten ihnen eine wichtige Rolle bei der erfolgreichen Bekämpfung des verborgenen Hungers.

Neue Züchtungen

Selbstkritsch betonen die Wissenschaftler, dass sich Agrarforschung in der Vergangenheit zu viel um Ertragssteigerungen bei Pflanzen wie Reis, Mais und Weizen und zu wenig um Hirse, Linsen, Bohnen oder andere Nahrungspflanzen gekümmert hat. Das müsse sich nun ändern. Auch Obst und Gemüse soll in der internationalen Agrarforschung künftig eine größere Rolle spielen als bislang.

Gleichwohl kann die Agrarforschung mit Züchtungen von Nahrungspflanzen aufwarten, die nicht nur gute Erträge bringen, sondern auch mehr Inhaltsstoffe haben als herkömmliche Sorten. So gibt es inzwischen beispielsweise Süßkartoffeln mit einem hohen Vitamin A-Gehalt, erkennbar an ihrem tief orangefarbenen Fruchtfleisch. In Indien gibt es seit einem Jahr eine Hirsesorte mit einem Plus an Eisen und Zink, und in Pakistan Weizen mit einem höheren Zinkgehalt. Die Züchtung dieser mit Mikronährstoffen angereicherten Pflanzen in internationalen Agrarforschungsinstituten ist relativ neu und erfolgt auf herkömmlichem Weg.

Um den verborgenen Hunger erfolgreich zu bekämpfen, muss das Silodenken ein Ende haben, betonen die Wissenschaftler beim Science Forum 2013. Man brauche neue Partnerschaften. Das gelte für die Agrarforschungsinstitute untereinander ebenso wie für die Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen oder auch mit Nichtregierungsorganisationen und der Privatwirtschaft. Auch die Politik muss man mit im Boot haben, sonst ist das Scheitern vorprogrammiert. (red, derStandard.at, 27.9.2013)

  • Das orangefarbene Fruchtfleisch der Süßkartoffel zeigt den hohen Vitamin-A-Gehalt.

    Das orangefarbene Fruchtfleisch der Süßkartoffel zeigt den hohen Vitamin-A-Gehalt.

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