Parkinson-Patienten sind misstrauischer als Gesunde

27. September 2013, 08:26
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Parkinsonpatienten scheinen krankheitsbedingt anderen Menschen weniger Vertrauen entgegenzubringen als Gesunde - Risikofreudig sind sie aber trotzdem

Wien – Parkinson-Patienten fällt es offensichtlich schwerer als Gesunden, anderen zu vertrauen. Das zeigt eine aktuelle Studie, die beim 21. Weltkongress für Neurologie in Wien präsentiert wurde. "Genau jene Hirnareale, die für Vertrauen zuständig wären, sind durch die Krankheit beeinträchtigt: die Basalganglien des Großhirns, der frontale Cortex und das limbische System", sagt Studienautor Andrija Javor, Neurologe am AKH in Linz. Nebenbei werden genau jene Neurotransmitter (Dopamin und Serotonin, Anm.Red.), die sich positiv auf die Vertrauensfähigkeit auswirken im Falle von Parkinson reduziert ausgeschüttet. Die Vermutung liegt nahe, dass viele neuropsychiatrische Probleme der Betroffenen mit übermäßigem, krankheitsbedingtem Misstrauen zusammenhängen, so Javor.

Wagemutige Patienten

Um die Hypothese vom fehlenden Vertrauen zu überprüfen, wurde das Verhalten zehn weiblicher und zehn männlicher Parkinson-Patienten mit Dopamin-Medikation und leicht fortgeschrittener Erkrankung mithilfe eines Computerspiels untersucht und mit dem Verhalten von 20 gesunden Kontrollpersonen verglichen. Konkret ging es in dem Spiel darum, neutralen "Treuhändern" eine Geldsumme von bis zu zehn Euro anzuvertrauen. Während die gesunden Probanden dem virtuellen Treuhänder eine durchschnittliche Summe von 5,50 Euro übertrugen, waren die Parkinsonpatienten mit nur 3,40 Euro deutlich zurückhaltender.

"Mit eingeschränkter Risikofreudigkeit hängt das allerdings nicht zusammen", sagt Javor. Denn beim späteren Würfelspiel waren nämlich die Kranken die Wagemutigeren – sie fällten im Laufe des Spiels im Durchschnitt rund zehn riskante Entscheidungen, bei den Gesunden waren es nur sieben. "Auch wenn noch weiter Forschung in diesem Bereich nötig ist, tragen die Erkenntnisse bereits zu einem besseren Verständnis für die Probleme von Parkinsonkranken bei", so der Experte. (red, derStandard.at, 27.9.2013)

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