Armut ist in Vorarlberg weiblich

26. September 2013, 18:50
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Armutskonferenz fordert Sozialpolitik mit Strategie

Dornbirn - Seit Juni gibt es den Vorarlberger Armutsbericht. Die Vorarlberger Armutskonferenz möchten nun von der Landesregierung Maßnahmen sehen. Immerhin seien rund 50.000 Menschen im Bundesland armutsgefährdet.

In einem ersten Schritt müssten die Sozialleistungen "mit Plan und Strategie" harmonisiert und die Information über Leistungen vereinfacht und verständlich formuliert werden, fordert Michael Diettrich, Sprecher der Armutskonferenz.

Besonders stark von Armut bedroht sind laut Bericht Alleinerzieherinnen und Pensionistinnen. "Die Armut in Vorarlberg ist vorrangig weiblich", darauf muss die Landesregierung endlich reagieren, sagt Diettrich.

63 Prozent der 14.500 Alleinerzieherinnen droht Armut. Die Ursache sieht die Konferenz im vorherrschenden Frauen- und Familienbild. Frauen dürften maximal dazuverdienen, hätten sich sonst um die Familie zu kümmern. Dafür gebe es dann den Familienzuschuss, der nichts anderes als eine "Herdprämie" sei.

Priorität müsse existenzsichernde Berufstätigkeit haben, dazu müssten aber die Ganztagskindergärten und -schulen ausgebaut werden. Frauen immer mehr in geringfügige Beschäftigungen zu treiben, wie es Land und Gemeinden bei Beschäftigten mobiler Hilfsdienste machten, sei der falsche Weg, sagt Diettrich.

Für gering qualifizierte Frauen sollten Qualifizierungsoffensiven gestartet werden, Coaching für Wiedereinsteigerinnen, die dann in Teilzeitjobs landen, sei nicht ausreichend.

Kein Auskommen finden Menschen in Vorarlberg mit der Mindestsicherung. In Vorarlberg würden die hohen Mieten nicht bei der Bemessung berücksichtigt. Die Armutskonferenz fordert, Referenzbudgets der Schuldnerberatungen (1269 Euro für Einzelpersonen) als Maßstab zu nehmen und eine Existenz gewährleistende Grundsicherung anstelle von Einzelleistungen einzuführen. (jub/DER STANDARD, 27.9.2013)

  • Diettrich: mit Plan gegen die Armut.
    foto: privat

    Diettrich: mit Plan gegen die Armut.

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