AUA bittet alle ihre Piloten zur Prüfung

26. September 2013, 18:26
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Die Fluglinie will alle ihre 900 Piloten durch ein Assessment-Center schicken. Die Piloten befürchten, dass sie bei einem Scheitern freigesetzt würden

Wien - Bei der AUA/Tyrolean sind die Piloten in heller Aufregung: Die Airline will nach dem Betriebsübergang auf die Tyrolean nun ein einheitliches Ausbildungsmodul einführen, das die rund 900 Piloten durchmachen müssen - unabhängig davon, wie lange sie bereits im Unternehmen sind. Parallel dazu müssen Piloten freilich regelmäßig zur behördlich vorgeschriebenen Lizenzerhaltungsprüfung.

Klagsandrohung

Seitens der Piloten, die je nach Airline bisher unterschiedliche Tests absolviert haben, wird befürchtet, dass jene die jetzt durchfallen, gekündigt werden. Sie drohen schon einmal mit Klagen.

Der stellvertretende Flugbetriebsleiter, Dieter Watzak-Helmer, begründet die Maßnahme damit, dass es bei AUA und Tyrolean bisher eine andere Methodik in der Selektion gab, diese sehr unterschiedlich und nur schwer vergleichbar war. Seinerzeit bei der Lauda-Air-Übernahme sei es insofern anders gewesen, weil die Piloten idente Einsatzbereiche hatten, beide Airlines flogen auf der Mittel- und Langstrecke.

Die Tyrolean hingegen flog nie Langstrecke. "Wir versuchen nun, eine standardisierte Ausbildung für alle zu schaffen", so Watzak-Helmer zum Standard. Er hofft, dass die noch laufenden Verhandlungen mit dem Betriebsrat erfolgreich verlaufen. Auch deshalb, weil 2014 eine zusätzliche Langstreckenmaschine, eine Boeing 777, kommt und dort 20 neue Piloten eingestellt werden.

Streng ist relativ

Hintergrund ist folgender: Jede Airline hat andere Selektionskriterien. Die AUA hat jene der Lufthansa und die gilt als sehr streng. Die Lauda Air prüfte wieder nach anderen Kriterien. Und bei der Tyrolean, so wird erzählt, die ja mit kleinerem Gerät flog, war die Pilotenausbildung am "einfachsten". Es soll vorgekommen sein, dass Personen, die die AUA-Selektion nicht bestanden, es bei der Tyrolean versuchten.

Zunächst sollen, so Watzak-Helmer, jene Piloten die neue Zusatzausbildung absolvieren, die derzeit vom Kopiloten zum Kapitän aufsteigen und jene, die den Fliegertyp wechseln, also u. a. vom Airbus A320 auf die Boeing 767 wechseln. Der Rest der Mannschaft soll in den nächsten drei bis vier Jahren folgen.

Angst vor Kündigung

Die Ausbildung soll aus drei Teilen bestehen: Sie beginnt mit einer kurzen Zusammenfassung des bisherigen fliegerischen Lebenslaufes. Dann muss das von der Swiss übernommene Assessment-Center mit Interviews und Gruppengesprächen absolviert werden, bei dem "die Kandidaten im Team arbeiten, was sie auch im Cockpit tun müssen", wie Watzak-Helmer betonte. Der dritte Teil besteht aus einem Simulatorflug. Ein Gremium aus Flugbetriebsfunktionären und Betriebsräten mit Beobachterstatus soll schließlich entscheiden, ob bestanden wurde.

Es gibt freilich Piloten, die bezweifeln, dass etwa alle 200 AUA-Altpiloten bei der Prüfung durchkommen und die Firma so einige los werden will. "Am Ende einer nicht bestandenen Qualifikation steht im schlimmsten Fall die Kündigung und es liegt in der Natur des Piloten, mit dem schlimmsten Fall zu rechnen", so ein Pilot.

Zweiter Versuch

Die AUA beruhigt: Man gehe nicht davon aus, dass einer der Kandidaten nicht bestehen werde. Sollte es doch Schwächen geben, werden Schulungen angeboten. Auch die Möglichkeit wieder anzutreten bestehe. Im schlimmsten Fall bleibe der Betroffene dort, wo er bisher war. Was noch fehlt, ist eine einheitliche Senioritätsliste. Das sei Teil der noch laufenden Kollektivvertragsverhandlungen. Derzeit gebe es eine Schattenseniorität. Wer etwa jetzt von Fokker auf Airbus wechselt, behält eine Schattenseniorität in der Tyrolean. Die Seniorität besagt, dass der Dienstälteste den höheren Rang hat. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 27.9.2013)

  • Alle bisherigen und künftigen Piloten bekommen eine einheitliche Ausbildung im Konzern.
    foto: standard/fischer

    Alle bisherigen und künftigen Piloten bekommen eine einheitliche Ausbildung im Konzern.

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