Herr Flögel und die Fußballerinnen

26. September 2013, 17:29
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Thomas Flögel ist Trainer ohne Trainerschein in der Bundesliga - Für die Austria würde er die Frauen von Rekordmeister USC Landhaus verlassen

Wien - Was macht eigentlich Thomas Flögel? Der ehemalige Kapitän des Fußball-Nationalteams ist Trainer in der heimischen Bundesliga. Dass das an den Massen der Fußballfans vorbeigegangen ist, könnte daran liegen, dass es sich um Frauenfußball handelt. Flögel ist quasi der Promifaktor der Liga. Es interessiert trotzdem kaum jemanden.

Seit eineinhalb Jahren trainiert der 37-fache Nationalspieler den Rekordmeister, USC Landhaus. Dazu gekommen ist es zufällig. Gemeinsam mit dem nunmehrigen Altach-Trainer Damir Canadi betrieb er ein Unternehmen, das Personal Training anbot. Dort betreute er auch Fußballerinnen. Als Peter Leitl, guter Bekannter Flögels und damaliger Landhaus-Trainer, in Pension ging, übernahm der langjährige Austria-Spieler und viermalige Meister mit den Favoritnern den in Wien-Floridsdorf ansässigen Verein. "Am Anfang war ich skeptisch", sagt der 42-Jährige. Aber das habe sich bald gelegt.

Gängige Vorurteile, wonach Frauen technisch und motorisch nicht so stark seien, hätten sich nicht bestätigt. "Die Mädchen sind ziemlich gut drauf." Peinlich sei es ihm nie gewesen, dass er "nur" ein Frauenfußball-Team trainiere. Niveaulose Fragen wie "Gehst' mit duschen?" musste er sich aber gefallen lassen. "Ich habe nichts gewusst über Frauenfußball in Österreich", sagt Flögel. Als Experte sieht er sich auch heute nicht. Ein Anliegen ist ihm der heimische Frauenkick jedenfalls - und ein Dorn im Auge die mangelnde Aufmerksamkeit dafür.

Nationalteam im Aufwind

Dabei ist das Nationalteam seit einigen Jahren im Aufwind. Im Vorjahr scheiterte die Mannschaft von Dominik Thalhammer erst im Playoff gegen Russland an der erstmaligen EM-Qualifikation. "Eine leichte Euphorie war da zu spüren. Aber nach zwei Wochen war sie auch wieder vorbei", sagt Flögel. Derzeit kämpft das ÖFB-Team um die Qualifikation für die WM 2015 in Kanada. Ein schwieriges Unterfangen, zumal nur acht europäische Teams teilnehmen dürfen.

Nach dem Auftakt-Heimsieg gegen Bulgarien (4:0) setzte es am Mittwoch gegen die höher eingeschätzten Finninnen in Turku eine unglückliche 1:2-Niederlage. In Sachen Nachwuchs jedenfalls wurden zuletzt große Fortschritte erzielt. Thalhammer: "Wir haben die U17 und die U19 an Europas Spitze herangeführt." Das Nationale Zentrum für Frauenfußball in St. Pölten (seit 2011), wo 14- bis 19-jährige Talente gefördert werden, trägt Früchte.

Nachwuchsarbeit wird auch bei Landhaus, dem einzigen Wiener Verein in der obersten Spielklasse, großgeschrieben. Derzeit liegt er auf Platz drei. Das ist auch das Saisonziel. Gegen Serienmeister Neulengbach und St. Pölten-Spratzern - die zwei niederösterreichischen Klubs haben größere Budgets, aber keine Nachwuchsabteilungen - ist kein Ankommen. 

Mehr ÖFB-Unterstützung gefordert

"Wir verlieren regelmäßig Spielerinnen an diese Klubs", sagt Gerhard Traxler, Gründer des Vereins und der Frauenfußball-Liga. Er würde sich mehr Unterstützung vom ÖFB für die Liga wünschen. Sie sollte vermarktet werden. Flögel stößt ins gleiche Horn. "Die Liga muss mehr in Szene gesetzt werden." Die Vereine stünden aber auf der Bremse.

Die Zukunft des USC Landhaus, der keinen Hauptsponsor hat, könnte aber rosig sein. Derzeit wird mit einem Spitzenklub im Männerfußball bezüglich Kooperation verhandelt. 2014 könnte es soweit sein. In zwei bis drei Jahren will der Rekordmeister dann wieder die Spitze im Land übernehmen. Ob Flögel, der derzeit den Trainerschein macht, dann noch beim Verein ist, ist offen. Der mündliche Vertrag erlaubt ihm eine vorzeitige Auflösung, sollte ein großer Klub anklopfen. Welcher das sein sollte? "Die Austria." Es müsse ja nicht der Einsertrainer sein. Derweil bleibt er beim Frauenfußball. Spaß macht ihm der Job jedenfalls. (Birgit Riezinger, DER STANDARD, 27.09.2013)

  • Flögel hat es zum Frauenfußball verschlagen.
    foto: michael kainz

    Flögel hat es zum Frauenfußball verschlagen.

  • Der USC Landhaus (gelb-blau) im Ligaspiel gegen Serienmeister Neulengbach. Die Zuschauer sind auf der anderen Seite des Spielfelds. Wahnsinnig viele sind es nicht.
    foto: michael kainz

    Der USC Landhaus (gelb-blau) im Ligaspiel gegen Serienmeister Neulengbach. Die Zuschauer sind auf der anderen Seite des Spielfelds. Wahnsinnig viele sind es nicht.

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