Meereswürmer besitzen auch eine "Monduhr"

26. September 2013, 20:05
10 Postings

Tiere leben nicht nur nach dem Sonnenzyklus - Gilt das auch für andere Lebewesen?

Wien - Ende Juli warteten Schlafforscher aus Basel mit einer Entdeckung auf, die sofort für Diskussionen sorgte: Daten zeigten, dass ihre Probanden in Nächten mit Vollmond tatsächlich schlechter schliefen. Woran aber liegt das? Verweist der schlechte Schlaf auf Spätfolgen vorzeitlicher Mondrituale? Oder auf übrig gebliebene Ängste vor Raubtieren, die in hellen Vollmondnächten jagten?

Auf eine evolutionär sehr viel ältere Spur führen neue Erkenntnisse über zwei Meerestiere, die in den Fachmagazinen "Current Biology" und "Cell Reports" vorgestellt werden. Zwar wurde schon in der Antike beobachtet, dass sich Meerestiere für die Fortpflanzung nach den Mondphasen richten, auf molekularer Ebene blieb die "Monduhr" bisher allerdings fast gänzlich unerforscht.

Eine der beiden Untersuchungen stammt von einem englischen Team um Charalambos Kyriacou (Universität Leicester), das die Meeresassel Eurydice pulchra nicht nur unter die Lupe nahm, sondern auch noch durch Umwelt- und DNA-Manipulationen die 24-Stunden-Uhr der Tiere "abdrehte". Zur Überraschung der Wissenschafter blieb dadurch die 12,4-Stunden-Gezeitenuhr der Tiere, die letztlich am Mond ausgerichtet ist, völlig unbehelligt.

Die andere Studie handelt vom Meereswurm Platynereis dumerilii und wurde im Labor von Kristin Tessmar-Raible durchgeführt, der Leiterin der Forschungsplattform Marine Rhythms of Life der Uni Wien. Die etwa drei Zentimeter großen Würmer schwimmen in Abhängigkeit vom Mond- und Sonnenzyklus an die Wasseroberfläche, wo sie zeitgleich Spermien und Eier in das Wasser abgeben.

Das Team von den Max F. Perutz Laboratories konnte nun erstmals nachweisen, dass mindestens zwei Uhren, die circadiane und die circalunare Uhr, daran beteiligt sind. Diese Uhren beeinflussen sich sowohl auf Genregulationsebene als auch bei der Verhaltenssteuerung.

"Die richtig spannende Frage ist jetzt", so Erstautorin Juliane Zantke, "ob solche mehrfachen Uhren auch in anderen Tieren und dem Menschen vorhanden sind" - was womöglich unseren schlechten Schlaf in Vollmondnächten erklären würde. (tasch, DER STANDARD, 27.9.2013)

  • "Reifes" Weibchen (oben) und Männchen des Meereswurms Platynereis dumerilii, die sich nach der "Monduhr" paart.
    foto: juliane zantke

    "Reifes" Weibchen (oben) und Männchen des Meereswurms Platynereis dumerilii, die sich nach der "Monduhr" paart.

  • Jungtier des Meereswurms Platynereis.
    foto: juliane zantke

    Jungtier des Meereswurms Platynereis.

Share if you care.