"Frage nach der Verantwortung für die Krise"

26. September 2013, 17:00
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In der Herbst-Ausstellung "Liquid Assets" nehmen 19 Künstler den Finanzkapitalismus aufs Korn. Die Kuratoren Luigi Fassi und Katerina Gregos erläutern die Hintergründe

An der Ausstellung Liquid Assets in den Räumen des ehemaligen Grazer Zollamtsgebäudes hat ihr italienisch-griechisches Kuratorenduo Luigi Fassi und Katerina Gregos gearbeitet wie "an einem Buch, das wir zusammen mit den Künstlern geschrieben haben". 25 Werke von 19 Künstlern sind zu einem Teil in einem Verschlag im Hauptraum zu sehen und zu einem anderen auf mehrere enge Büroräume verteilt.

"Heute steckt an allem und jedem ein Preisschild," sagte Gregos, künstlerische Leiterin der Art Brussels, zur Ausstellungseröffnung. "Das Geld regiert, und alles wird hinsichtlich ökonomischer und monetärer Maßstäbe evaluiert. Ein guter Zeitpunkt also, um über die Natur des Geldes und die gegenwärtige Natur des Kapitalismus zu reflektieren." Und Fassi, Kurator für bildende Kunst beim Steirischen Herbst, umreißt die Fragestellungen, die hinter Liquid Assets stehen: "Haben wir noch ein Verständnis für Geld und Finanzwirtschaft? Welche Rolle spielt die Letztere in unserem Alltag? Was ist die Finanzkrise, und wie ist sie entstanden?"

Verhandelt wird allerdings nicht diese seit 2008 anhaltende Krise selbst. Sondern, so Gregos, "die Veränderungen, die das Finanzsystem bewirkt, und die wachsende Finanzialisierung der Wirtschaft in Zeiten des Hochkapitalismus". Es geht dabei laut Fassi um "eine Untersuchung der Schuldlogik, die Rolle der Finanz, die Transformation des Kapitals".

Im Detail haben die beiden Kuratoren, wie Katerina Gregos präzisiert, folgende Themen beschäftigt: "Die Rolle von Technologie und Computing in der Finanzialisierung der Wirtschaft oder die Entwicklung von obskuren mathematischen Formeln und ihrem Anteil an der Krise."

Zur Debatte stehen ebenso die "neuen Geografien des Kapitalismus" wie die zunehmende Privatisierung, der durch das Finanzkapital entstandene neue Reichtum und die Rolle der Medien in ihren Beiträgen zum Verständnis von Finanz und Wirtschaft.

"Schließlich auch die Frage nach der Verantwortung für die Krise", ergänzt die Kuratorin. "Wir haben danach getrachtet, in die Reihen der Verantwortlichen zu schauen und den gesichtslosen Leuten, die diese Krise verursacht haben, Gesichter zu geben."

Wichtig sei bei all dem kritischen Ansatz aber auch gewesen, betont Gregos, "über die sozusagen politische oder sozial engagierte Ausstellung zu reflektieren". Selbst habe man versucht, nun eine Schau mit "Fleisch auf den Knochen" zu machen: "Wir sind recht kritisch gegenüber einigen politischen Ausstellungen, die von hochfliegenden Ideen beherrscht wurden, wie auch die unsere, in denen aber die Kunst irgendwie verschwindet. Unsere Ausstellung, möchte ich betonen, ist eine mit Kunstwerken, die sich auf die verschiedensten Arten miteinander verbinden."

Darin wird unter anderem auch die Rolle der Medien untersucht. Etwa bei Mass Media: Today and Yesterday, 2009-2013 des Performance- und Konzeptkünstlers Gustav Metzger. Die Besucher sollen aus Stapeln österreichischer Zeitungen Artikel und Bilder zu den Themen "Wirtschaftskrise" und "Auslöschung unseres heutigen Lebensstandards" heraussuchen, ausschneiden und an eine Pinnwand heften. (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 27.9.2013)

  • Liquid Assets: Ex-Zollamt, bis zum 1. Dezember

Dieser Artikel entstand mit finanzieller Unterstützung des Steirischen Herbsts. Die redaktionelle Verantwortung liegt beim STANDARD.

  • Der deutsche Konzeptkünstler Gustav Metzger greift für "Liquid Assets" zu Zeitungen. Das Publikum kann hier zur Schere greifen und Texte zu bestimmten Themen sammeln.
    foto: gustav metzger

    Der deutsche Konzeptkünstler Gustav Metzger greift für "Liquid Assets" zu Zeitungen. Das Publikum kann hier zur Schere greifen und Texte zu bestimmten Themen sammeln.

  • Liquide verschaukelt: Bill Gates' Hutschpferd.
    foto: kennedy browne

    Liquide verschaukelt: Bill Gates' Hutschpferd.

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