Ressourcen schonen in Liesing: Industriegebiet wird zum "Standpunkt"

26. September 2013, 12:16
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"Standpunkt Liesing" ist das erste Quartiersmanagement, das in einem Wiener Gewerbegebiet eingerichtet wurde. Mit der Vernetzung der Betriebe werden vor allem Ressourcen geschont - und auch das Image des traditionsreichen Viertels wird aufpoliert

Wien - Das riesige knallrote "L" mit der Kugel oben seitlich dran ragt in den Himmel über Liesing. Ein aus Containern zusammengebautes neues Wahrzeichen neben der U6-Station Perfektastraße: es steht für "Standpunkt Liesing"; steht dafür, dass sich einiges tut in einem der traditionsreichsten Gewerbegebiete von Wien.

"Früher wussten manche Unternehmer gar nicht, was auf dem Nachbargelände eigentlich passiert", berichtet Volkmar Pamer von der MA 21 (Stadtteilplanung) im STANDARD-Gespräch. Neuerdings aber findet reger Austausch statt, wird genetzwerkt und werden gemeinsame Projekte geplant - vor allem in Richtung Ressourcenschonung.

Gemeinsam sparen

Unternehmen, die eine Photovoltaikanlage planen, könnten sich zusammentun. Andere bilden eine Einkaufsgemeinschaft oder einen Lieferservice. Die Schneeräumung kann gebündelt werden. Gebäudesanierungen und -dämmungen könnten gemeinsam günstiger durchgeführt werden. Maßnahmen, die Geld und Ressourcen schonen.

All das kam nicht von allein. Es ist das erste Quartiersmanagement in einem Wiener Industrie- und Gewerbegebiet, das im Oktober 2011 EU-gefördert hier installiert wurde. Und eine derartige Kooperation zwischen Wiener Stadtplanung, Wirtschaftsagentur und Wirtschaftskammer ist generell keine alltägliche Sache.

"Wir sind Anlaufstelle für alle, die Interesse an diesem Gebiet haben, bieten Hilfe bei der Liegenschaftssuche und auch bei Firmengründungen, oder wir informieren, welche Förderungen bei bestimmten Vorhaben möglich sind und vermitteln direkte Ansprechpartner", erläutert Quartiersmanagerin Myriam Maier.

Vor allem aber vernetzt sie auch die bestehenden Betriebe: Ein gutes Dutzend Veranstaltungen wurde bereits organisiert. Von der ersten Präsentation des Quartiersmanagements bis hin zu Themenveranstaltungen über Gebäudesanierung, Photovoltaikanlagen, Facility-Management oder Einkaufsgemeinschaften.

Schwarzes Brett im Internet

Was den Betrieben ein Anliegen ist, wurde überdies von einem Umweltexperten in Interviews erhoben. Eine der Anregungen daraus war eine interne Austauschplattform auf der Quartiershomepage, auf der die Betriebe wie auf einem schwarzen Brett "Suche/ Biete"-Einträge erstellen können.

Wie im Vorjahr war das Quartiersmanagement auch heuer wieder in der Mobilitätswoche aktiv - diesmal wurden beim roten L° Elektrofahrzeuge präsentiert. Im Vorjahr waren es die Fahrräder des Verleihsystems Nextbike gewesen - inzwischen wurde eine fixe Nextbike-Station bei der U6-Station Perfektastraße eingerichtet - ein Lückenschluss zu den Verleihstellen in Brunn am Gebirge, Perchtoldsdorf und Liesing. Attraktive Radwege gibt es ebenfalls bereits in der Perfektastraße und Brunnerstraße - auch eine Besonderheit für ein Industriegebiet.

Standpunkt Liesing ist für ein Gewerbequartier jedenfalls erstaunlich gut an Öffis angeschlossen: mit U- und S-Bahn am Rand. Verbesserungswürdig ist für Pamer und Maier allerdings noch die Busverbindung dazwischen, nicht nur was die eher allzu länglichen Intervalle betrifft. Denn wenn man schon wartet, sollten wenigstens die Wartehäuschen attraktiver gestaltet werden - und seien es auch nur Videotafeln mit Infos, schlägt Pamer vor.

Die hässlichsten Orte der Welt

So, wie grundsätzlich die Attraktivierung des öffentlichen Raumes ein Anliegen ist: Pamer: "Gewerbegebiete sind weltweit die hässlichsten Orte der Welt - und das verstehe ich nicht. Das ist doch ein wichtiger Lebensraum, in dem die hier arbeitenden Menschen einen Gutteil ihrer Lebenszeit verbringen." Maier macht dies an einem praktischen Beispiel fest: "Wenn ich in den Supermarkt hinübergehe und mir ein Semmerl kaufe, gibt es weit und breit nicht einmal eine Bank, wo ich mich kurz hinsetzen könnte."

Gelegentlich gelingt es aber zumindest temporär, gesellige Plätzchen zu schaffen. Kürzlich war das Volxkino zu Gast, berichtet Maier. Die Sitzgelegenheiten stellte das hier ansässige Möbeldepot zur Verfügung, den Chai lieferte das benachbarte Demmers Teehaus - gezeigt wurde der Film Skateistan.

Ein Anlass, zu dem nicht nur Unternehmer und Mitarbeiter, sondern auch Anrainer von außerhalb kamen. Für Pamer ist dies entscheidend: dass es gelingt, Prozesse anzuregen. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 21.9.2013)

  • Ein neues Wahrzeichen für Liesing: das große rote L°.
    foto: roman david-freihsl/der standard

    Ein neues Wahrzeichen für Liesing: das große rote L°.

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