Der Fußball und seine Deppen

25. September 2013, 16:19
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Eine Ausstellung in Wien zeigt den trottelhaften Schorf des so harmlos daherkommenden ballesterischen Vergnügens. Und will damit auch auf die Basis des Spiels zurückkommen

Wien - Jetzt demnächst fängt wieder die Sache mit den ballesterischen Fan-Ermahnungen an. Im Oktober bittet ja die FairPlay-Plattform darum, nicht immer die allerdümmsten Choräle ins Stadionrund zu schmettern. Diese ließen ja Rückschlüsse auf die Schmetterer zu, die in jene Richtung tendieren, da sei jemand mehrmals gegen eine Traverse gelaufen, weshalb die Vereine darob nicht bloß pikiert waren und sind, sondern geradezu geschädigt.

Um den Zusammenhang zwischen Fußball und Idiotie nicht nur darzustellen, sondern dem auch auf den Grund zu gehen, gibt es ab Donnerstag im Wiener Institut für Internationalen Dialog und Zusammenarbeit (VIDC) eine umfassende Ausstellung zum Thema "Tatort Stadion", an dem von rassistischer Diskriminierung über eklatant homophobes Outing bis hin zur glatten Wiederbetätigung alles Mögliche stattfindet.

"Dagegen aber auch", wie Thomas Gassler, einer der Organisatoren, festhält. Die herumwandernde Ausstellung kommt aus Deutschland, wurde aber fürs Österreichische ums Österreichische angereichert. "Insgesamt haben wir das um vier Schautafeln ergänzt. Zwei davon zeigen ziemlich negative, zwei aber auch geradezu beispielhafte Aktionen des Fanverhaltens."

Unter Letzterem subsumiert ist etwa die letztjährige Reaktion der Sturm-Fans auf die "Urwaldlaute" in Ried gegen Richard Sukuta-Pasu. Die hat das im dahergelaufenen Trottel halt so ablaufende Schwarz-Weiß-Denken mit den Vereinsfarben kombiniert und beim nächsten Heimspiel aufs riesige Spruchband geschrieben: "Sturm Graz ist schwarz und weiß, love Richie, hate Racism." Was hier - Gassler meint "vorbildlich" - umgesetzt wird, ist die "ja durchaus mögliche und vielerorts ja auch stattfindende" Selbstreinigung der Fanpartien. Baff - Bündnis aktiver Fußballfans - ist deshalb mit an Bord der Aktionswoche, die den Auftakt bildet zu den FairPlay-Aktionen im Oktober. Bis zum 12. Oktober ist im Kulturzentrum mo.e im 17. Wiener Gemeindebezirk die Ausstellung zu sehen.

Umrahmt wird die Ausstellung von zahlreichen Veranstaltungen von "Bildungsarbeit mit jugendlichen Fußballfans" (3. 10.) bis zum "Ersten Netzwerktreffen antidiskriminierender Fußballfans in Österreich mit Workshops zum Umgang mit Homophobie, Sexismus, Rassismus & Faschismus".

Besonders freut Thomas Gassler, dass alle wesentlichen Vereine Wiens da mitmachen: die zuletzt einschlägig ins Gerede und damit in den Handlungsbedarf gekommene Austria, Rapid, die Vienna (da gibt es am Wahlsonntag den wunderschönen Film Es geht sich immer nicht aus) und der arme Wiener Sportklub mit seiner nicht nur diesbezüglich aktiven Friedhofstribüne (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, 26.9.2013)

  • Am Anfang war bei allen Dingen stets der Wunsch der Vater des Gedankens. Auf der Dornbacher Friedhofstribüne schaffte er es jedenfalls schon aufs Transparent.
    foto: fairplay

    Am Anfang war bei allen Dingen stets der Wunsch der Vater des Gedankens. Auf der Dornbacher Friedhofstribüne schaffte er es jedenfalls schon aufs Transparent.

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