Mitteräcker: "Sehe den Nutzen von Third-Party-Cookies nicht"

26. September 2013, 10:53
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derStandard.at-Geschäftsführer weist auf die Schwächen der EU-Verordnung hin - Eine Debatte über Sinn und Unsinn der Datensammlung durch Dritte

Die Diskussion um Cookies im Angesicht der bevorstehenden EU-Datenschutzrichtlinie darf derzeit auf keiner europäischen Medienkonferenz fehlen. Geht es nach dem derzeitigen Entwurf der EU-Kommission, soll der Einsatz der unsichtbaren Datenträger, die Informationen über Internetnutzer sammeln und damit sogenanntes Tracking ermöglichen, stark eingeschränkt werden.

Mit dem Titel "To Track Or Not To Track?" legte die digitale Werbebranche schon vor Diskussionsbeginn im Rahmen der 20. Österreichischen Medientage die Linie fest. Im derzeitigen Ökosystem von Online-Werbung werden vor allem Third-Party-Cookies als unersetzlich dargestellt, um Nutzer auf ihrem Weg durchs Netz mit passenden Werbeanzeigen zu begleiten. Noch keinem Medium bisher war diese Art des "Werbe"-Stalkings möglich, die Branche beschreibt die Möglichkeit des Targeting als ihr wichtigstes Feature im Kampf um die Budgets der traditionellen Medien. Sollte die Verwendung eingestellt werden, fürchtet die Branche um das Ende des Internetmarketings.

Sinn oder Unsinn

Alexander Mitteräcker, Geschäftsführer von derStandard.at und Vorstand der STANDARD Medien AG, beurteilt die Situation ganz anders. "Ich sehe den Nutzen von Third-Party-Cookies nicht", erklärte der bekennende Targeting-Nutzer. "Ich halte Targeting für etwas Gutes, wenn die Daten auf der Webseite gesammelt werden, auf der man sich gerade bewegt. Aber von Dritten, die man nicht einmal kennt, finde ich das sehr bedenklich. Momentan werden Daten zwischen Facebook und derStandard.at gesammelt und das hat meiner Meinung nach keine gesellschaftsrechtliche Beziehung."

Mit dieser persönlichen Einleitung wies Mitteräcker auf eine der großen Schwächen der EU-Verordnung hin: die nicht vorhandene Unterscheidung zwischen den Webseitenbetreibern, sogenannten First Parties, und Drittanbietern, die ohne nachvollziehbare Beziehung die Daten der Internetuser aufzeichnen.

Hänsel und Gretel

Um selbst Gewissheit über die Parteien zu erlangen, welche die Brotkrummen der eigenen Datenspur im digitalen Wald auflesen, stellte Lilian Meyer-Janzek vom IAB zwei Werkzeuge vor. Das erste Tool Conclusion zeigt in Echtzeit alle Dienste auf, die Daten über die derzeitigen Netzaktivitäten sammeln und markiert diese je nach Status farblich. Bei dem zweiten Tool namens Ghostery lässt sich bei jeder Webseite eine Liste aufrufen, wer gerade mittrackt.

Einig war sich die Runde darin, dass der Gesetzgeber der technischen Entwicklung ständig hinterherhinkt. "Wenn es im Gesetz darum geht, ob die Informationen auf dem Rechner gespeichert sind, dann suchen die Unternehmen natürlich einen Weg, um das zu umgehen", schilderte Kimon Zorbas vom IAB Europe den natürlichen Lauf der Dinge.

"Perverse" Ausweichmanöver

Datenschutzverfechterin und WU-Lektorin Sarah Spiekermann bezeichnete dieses Verhalten der Firmen als "pervers". Daran zeige sich, dass es in der Verantwortung von Politik und Wirtschaft liege, die Menschen im Vorhinein zu schützen, auch wenn dies die Einführung eines Opt-In bedeute. Jeder Bürger habe in Zeiten des Life-Login das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und solle wissen, wem er was preisgibt. (tara, derStandard.at, 25.9.2013)

  • Gegen Cookies von Dritten: Alexander Mitteräcker
    foto: standard/newald

    Gegen Cookies von Dritten: Alexander Mitteräcker

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