Leak: US-Notenbank sucht Maulwurf

25. September 2013, 15:14
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Wurde die Fed bei ihrer letzten geldpolitischen Sitzung geleakt? Ungewöhnlich viele Orders zu einem äußerst ungewöhnlichen Zeitpunkt deuten darauf hin

18. September, 14 Uhr. Die Finanzmärkte blicken gespannt nach Washington. Die US-Notenbank (Fed) tagt zu ihrer geldpolitischen Sitzung. Erwartet wird, dass Fed-Chef Ben Bernanke das US-Anleiheankaufprogramm in Höhe von monatlich 85 Milliarden Dollar langsam auslaufen lässt. Seit 2008 flutet die Fed den Finanzmarkt mit billigem Geld, um die US-Konjunktur anzukurbeln. Doch Bernanke macht nach mehrmaligen Ankündigungen einen überraschenden Rückzieher: Die Notenbank will, so gibt er bekannt, weiterhin an ihrer utralockeren Geldpolitik festhalten. Die Märkte, die den Einstieg in den Ausstieg mehr oder minder im Vorfeld schon eingepreist hatten, sind verstört.

Und noch etwas verstört. In Chicago fallen beträchtliche Kursbewegungen - und da besonders bei Terminkontrakten im Goldhandel - zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt auf. Nämlich exakt um 14 Uhr und 0,003 Sekunden (in Worten: drei Millisekunden). Analysten von Nanex, einem New Yorker Unternehmen, das Marktströme auswertet, werden stutzig, dauert es doch fünf bis sieben Millisekunden, bis eine Nachricht vom Sitz der Fed in Washington nach Chicago gelangt. Hätte die Bekanntgabe Bernankes das William McChesney Martin Jr. Building tatsächlich erst um 14 Uhr verlassen, wäre die Information schneller als mit Lichtgeschwindigkeit an ihren Zielort gerast. Eine physikalische Glanzleistung, die Albert Einsteins Berechnungen widerlegen würde. Näher liegt wohl die Annahme, dass einige Händler bereits kurz vor Bernankes Statement  Bescheid wussten.

Minutiöser Ablauf

Der Informant, so es denn einen gegeben hat, wird unter der geladenen Presse vermutet. Und das, obwohl die Fed den Journalisten und Kamerateams ein bis ins letzte Detail vorgegebenes Prozedere abverlangt: Um exakt 13.45 Uhr werden die Türen im obersten Stock des Gebäudes verriegelt. Fünf Minuten später erhalten die Pressevetreter eine Abschrift der Notenbank-Erklärung. Um 13.58 Uhr werden die Fernsehteams auf einen Balkon geführt, um dort ihre Kameras aufzubauen. Bis Punkt 14 Uhr läuft die Sperrfrist, der in einer schriftlichen Einverständniserklärung zugestimmt werden muss ("I understand that I may make no public use of the documents distributed by Federal Reserve Board (FRB) staff or the information contained therein, including broadcasting, posting on the Internet or other dissemination, until the time the FRB has set for their public release.").

Das mögliche Leck und die damit verbundene Übervorteilung mancher Händler hat die Aufsicht für den Handel mit Rohstoff-Termingeschäften (CFTC) auf den Plan gerufen. Auch die Fed selbst wird der Sache auf den Grund gehen, wie sie bekannt gab. Fest scheint jedenfalls zu stehen, dass hier etwas nicht richtig getickt hat. Apropos: die Uhren der Fed werden übrigens nach der Atom-Uhr in Colorado gestellt. (Sigrid Schamall, derStandard.at, 25.9.2013)

  • Die Fed (im Bild das Hauptquartier in Washington) ist alarmiert.
    foto: ap/j. david ake

    Die Fed (im Bild das Hauptquartier in Washington) ist alarmiert.

  • Möglicherweise gibt es einen Maulwurf, der sich nicht an die Informationssperre gehalten hat.

    Möglicherweise gibt es einen Maulwurf, der sich nicht an die Informationssperre gehalten hat.

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