Farbenlehre für die kommende Saison

Kolumne3. Oktober 2013, 16:36
posten

Wen dezente Herbsttöne schon jetzt langweilen, der plant die farblichen Akzente für den Frühling

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Nichts ist dem Gartler vertrauter, nichts der Gärtnerin geläufiger. Und da der Herbst nicht bloß vor der Tür steht, sondern es sich bereits im Wohnzimmer gemütlich gemacht hat, beginnt die Gartenplanung für die kommende Periode.

Alles ist möglich, die Kombinationsmöglichkeiten wurden im Laufe der letzten Jahre immer mehr. Grundsätzlich sollten Gärtner aber eine gewisse Grundfreude an Grün haben. Pflanzen brauchen diese Farbe als Photonenfänger, quasi zur Ernährung. Gut dabei zu wissen: Sie können sich durchaus anpassen. Je mehr Licht ihnen zuteil wird, desto weniger grün werden sie. In den dunklen und schattigen Winkeln hingegen, fernab oberflächlich interessierter Öffentlichkeit, entwickeln sie das tiefste und denkbar satteste Grün.

Beliebte Farbkoalition

Aber Grün allein macht noch keinen Garten, und wer die kommende Periode durchdacht gestalten möchte, inszeniert das Grün mit anderen Farben - zum Beispiel Rot. Es verwundert nicht, dass diese Farbkoalition in der Gartenwelt höchst populär ist. Man denke an die klassischen Rosen, gepflegt von sicherer Hand. Hier gab es in den letzten Jahren einen Trend: Es waren eher Rosen mit hellgrünen Blättern, dafür aber mit tiefroten Blüten darauf, welche gerade in Stadtgärten und Gärten von Städtern Anklang fanden.

Ein weiteres Phänomen, speziell in den Blumenkästen der Gemeindebauten zu beobachten, ist das Durchsetzen bis hin zum Verdrängen der roten Blüten durch blaue. Obwohl Blau in Gesamtösterreich schon fast komplett verschwunden war, erlebte es in den letzten Jahren wieder ein urbanes Revival - durchsprenkelt von orangen Blüten. In klugen Gartenfibeln war nämlich zu lesen, dass orange Blüten hinter blauen eine gewisse Tiefe vortäuschen. Sehr praktisch, sollte man nur einen engen Gemeindebau-Balkon und keine Penthouse-Dachterrasse sein Eigen nennen.

Und wiewohl regional sehr beliebt, haftet schwarzen Blumen bundesweit das Image der Fadesse und Langeweile an. Sie sorgen aber für einen ruhigen, besonnenen Hintergrund, der Grün, Rot und Blau erst so richtig zur Geltung kommen lässt.

Blaues Gift für Schwarz

Eine Zeit lang war es schick, schwarze Dahlien und Stockrosen oder auch die schwarze Schokoladenblume Cosmea atrosanguinea mit dem giftigen Herbsteisenhut, der giftigen Herbstzeitlosen oder auch dem Deutschen Enzian Gentianella germanica zu kombinieren. Doch Geschmack ist einerseits ein Kind der Zeit, und andererseits waren die Blauen auch optisch definitiv zu giftig.

Womit alle Kombinationen - nicht nur farblich - Probleme haben, sind die invasiven Neophyten. Das sind Pflanzen, die ursprünglich nicht heimisch sind, sich aber in neuen Gefilden wohlfühlen und Fans finden. Als Beispiel sei die besonders arg wuchernde Kanadische Goldrute Solidago canadensis angeführt. Packt man sie jedoch an der Wurzel, wird man sie wieder los. Ein Schnitt allein reicht da nicht. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 27.9.2013)

Tipps zu Farbakzenten: Der Grundton der meisten Pflanzen kann beeinflusst werden: Mehr Licht macht das Grün heller, Schatten schafft sattere Töne. Blaue Blüten vor orangen erzeugen die Illusion größerer Tiefe.

  • Die, nicht nur in Deutschland, populäre Farbkoalition schwarz-rot-grün, übernehmen die heimischen GartlerInnen nur bedingt, denn: schwarze Blüten im Garten sind mittlerweile wieder out.
    foto: dpa/patrick pleul

    Die, nicht nur in Deutschland, populäre Farbkoalition schwarz-rot-grün, übernehmen die heimischen GartlerInnen nur bedingt, denn: schwarze Blüten im Garten sind mittlerweile wieder out.

  • >>> zur Rondo-Coverstory
    foto: vitra/bettina matthiesen
Share if you care.