Wissenslücken: Warum sich Blößen geben?

Kolumne29. September 2013, 16:27
11 Postings

Unprätentiös ist das neue prätentiös: Warum man manchmal ruhig schummeln darf, und warum es manchmal vielleicht besser ist, einfach zu schweigen

Es ist heute an der Zeit, über Wissenslücken nachzudenken. In der Show des US-Comedians Jimmy Kimmel wurden vor einigen Tagen Gäste der New York Fashion Week über Entwürfe amerikanischer Modemacher befragt. Das Problem war nur, dass es die Designer gar nicht gab. Die Gäste der Modewoche schien das nicht weiter zu kümmern. Sie setzten ein wissendes Gesicht auf und schwärmten von den tollen Silhouetten, den famosen Accessoires oder den beeindruckenden Farben.

Warum sollte man sich auch Blößen geben? Das schienen sich auch die Journalisten des englischen Guardian gedacht zu haben und boten ihren Lesern eine Auswahl von Phrasen an, mit denen man jedes Gespräch über die London Fashion Week bestreiten könne - auch wenn man selbst keine einzige Kollektion gesehen habe.

Cool in Pastell

Ihr Vorschlag: Man behaupte mit Nachdruck: "Pastelltöne waren noch nie so cool wie heute." Man flechte nebenbei den Satz "Blumen sind die neuen Slogans" ein oder behaupte keck: "Prätentiös zu sein bedeutet heute unprätentiös zu sein." Der Gesprächspartner wird überzeugt sein, dass er es mit einem Experten zu tun habe.

Auch in Wien war letztens übrigens Fashion Week, und auch hier hatten viele keine Ahnung, was im Zelt vor dem Museumsquartier los war. Mode? "Am liebsten trage sie schwarze Hosen", sagte die zuständige Ministerin bei ihrer Eröffnungsrede. Manchmal ist es vielleicht doch besser, einfach zu schweigen. (Stephan Hilpold, Rondo, DER STANDARD, 26.9.2013)

  • Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit, denn: Warum sollte man sich auch Blößen geben?
    foto: reuters/joshua lott

    Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit, denn: Warum sollte man sich auch Blößen geben?

  • >>> zur Rondo-Coverstory
    foto: vitra/bettina matthiesen
Share if you care.