Letzte Kapitel im Libro-Pleitebuch noch offen

25. September 2013, 05:30
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Das Konkursverfahren wegen allfälliger Ansprüche auf Schadenersatz gegen die Ex-Manager und der Prozess sind noch offen.

Wien - Dreizehn Jahre nach dem Kollaps der Buch- und Papierhandelskette Libro regiert das Prinzip Hoffnung. Bei den damaligen Managern des 1999 an die Börse gebrachten Konzerns, denen 2011 im Landesgericht Wiener Neustadt der Prozess gemacht wurde - und den Gläubigern. Die Libro-Ex-Chefs Andre Maarten Rettberg und Johann Knöbl, ihr Aufsichtsratspräsident Kurt Stiassny (UIAG) sowie Wirtschaftsprüfer Bernhard Huppmann haben gegen die Urteile Berufung eingelegt und dürfen auf Freisprüche hoffen.

Denn die Generalprokuratur beim Obersten Gerichtshof (OGH) hat im Februar 2013 empfohlen, die (nicht rechtskräftigen) Verurteilungen wegen Untreue aufzuheben. Rettberg hatte dreieinhalb Jahre Haft bekommen, Knöbl vier Jahre, Stiassny und Huppmann drei, davon ein Jahr bedingt. Die Generalprokuratur begründete dies - vereinfacht ausgedrückt - damit, dass Libro von ihrer Mutter UD-AG zwar um 133 Millionen Schilling (9,67 Millionen Euro) in Form einer Sonderdividende "entreichert" worden sei, diese Bereicherung aber nicht den Tatbestand der Untreue erfülle, weil die (später verschmolzenen) UD-AG und Libro quasi Vermögenseinheit darstellten. Der Schaden wäre durch Gesamtsaldierung zu ermitteln gewesen; zudem sei selbstschädigendes Verhalten einer Alleinaktionärin nicht strafbar.

Ob und wann sich der OGH der Rechtsmeinung seiner Generalprokuratur anschließt, ist völlig offen. Es gibt keinerlei Hinweise, nicht einmal auf einen Verhandlungstermin. Für den Fall, dass Rettberg & Co in Sachen Untreue freigesprochen werden, wovon deren Rechtsvertreter ausgehen, ist auch die Bilanzfälschung vom Tisch, weil bereits bei Anklageerhebung obsolet. Außer bei Rettberg, da müsste das Erstgericht Verjährung prüfen, weil er in ein weiteres Strafverfahren (Krida) involviert war.

Abwarten

Abwarten und Tee trinken heißt es auch für die damaligen Libro-Gläubiger. Sie hängen ebenfalls in den Seilen der Justiz, haben sie im Konkursverfahren doch Schadenersatz- und Haftungsansprüche gegen die damaligen Manager angemeldet, deren Geltendmachung wiederum maßgeblich von den Gerichtsverfahren abhängt.

Die Hartnäckigkeit von Masseverwalter Günther Viehböck ist verständlich, wurden von der im ursprünglich eingeleiteten Ausgleichsverfahren zugesagten Quote von 40 Prozent doch nur 7,5 Prozent erfüllt. 32,5 Prozent blieben unbezahlt, rechnen Gläubigerschützer vor. Daher wurde Mitte Juni 2002 ein Konkursverfahren gegen den Libro-Konzern eröffnet, zu dem seit 1998 die von der Passauer Verlagsgruppe erworbenen Amadeus-Buchhandlungen ebenso gehörten wie die Internet-Tochter Lion.cc, der dank Libro-Miteigentümer Telekom Austria (TA) und der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), die mit 35 Prozent bei Lion eingestiegen war, eine großartige digitale Zukunft vorausgesagt worden war.

Daraus wurde nach dem Platzen der New-Economy-Blase nicht mehr viel. Die Passiva der 1997 vom Billa-Imperium abgespalteten Libro-Gruppe beliefen sich auf 433,4 Millionen Euro, von der Pleite betroffen waren an die 3000 Beschäftigte.

Vermögensverwertung

Die Vermögensverwertung begann im zweiten Halbjahr 2002 und sollte für die Papierwarenhändler eine stabile Zukunft bringen, denn im November 2002 wurde Libro mit österreichweit 219 Filialen um den Ausrufungspreis von fünf Millionen Euro an die zur MTH von Ex-ÖVP-Obmann Josef Taus gehörende IPO Beteiligungs-Management AG versteigert.

Bereits im August 2002 waren die 17 Großbuchhandlungen der Marke Amadeus um 9,3 Millionen Euro der Buchhandelstochter Thalia der deutschen Douglas-Gruppe zugeschlagen worden.

Bei Thalia landete letztlich auch die Online-Tochter von Libro, Lion.cc. Mit ihr machte sich Libro insbesondere bei der Deutschland-Expansion - die völlig schiefging und maßgeblich zum Kollaps der Gruppe beitrug - viele Feinde. Denn Lion.cc bot in Deutschland erschienene Bücher um bis zu 20 Prozent billiger an - auch für Kunden in Deutschland. Libro unterlief so die Buchpreisbindung, ein im EU-Binnenmarkt anachronistisches Regelwerk. Deutsche Verlage und Großhändler verweigerten Lion.cc Lieferungen. 2001 wurde Lion an die Wiener MC Marketing verkauft, 2005 kam das Aus als unabhängiger Online-Händler. Wer lion.cc anklickt, landet nun bei Thalia. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 25.9.2013)

  • Die Rollbalken sind weder im Libro-Konkurs- noch im -Strafverfahren für immer unten.
    foto: christian fischer

    Die Rollbalken sind weder im Libro-Konkurs- noch im -Strafverfahren für immer unten.

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