Ein Netzwerk aus Erfindern und Vermarktern

24. September 2013, 18:52
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Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium nehmen einen neuen Anlauf, um die universitäre Forschung besser mit den Märkten zu vernetzen

Wissenstransfer zwischen Hochschulen und der Wirtschaft ist zu einem Qualitätsmerkmal geworden - nicht nur für die Bewertung von Universitäten, die entsprechende Partnerschaften eingehen, sondern auch für ganze Volkswirtschaften. Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes richtet sich nicht nur daran aus, wie sehr ein Land Bildung und Wissenschaft begünstigt, sondern hängen auch von jenen Strukturen ab, die erlauben, dass akademische Erkenntnisse ihre Kanäle in Gesellschaft und Markt finden.

Neben den Initiativen der einzelnen Universitäten in dem Bereich, neben Förderprogrammen wie den Research-Studios des Wirtschaftsministeriums und Einrichtungen wie der Christian-Doppler-Labore und der Boltzmann-Institute gibt es seit 2009 eine im Wissenschaftsministerium angesiedelte "Nationale Kontaktstelle für IPR-Angelegenheiten". Die darin angesprochene "Intellectual Property-Recommandation", eine Empfehlung der EU-Kommission aus 2008, zielt auf eine bessere Nutzung von Wissen durch aktives Engagement von öffentlichen Forschungseinrichtungen ab. Unter anderem wurden Vertragsmuster erarbeitet, die die Kooperation zwischen Unternehmen und Universitäten vereinfachen, mit dem "Phönix" wird ein Preis für erfolgreiche Spin-offs vergeben.

Nun erfolgt ein nächster Schritt: Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium kündigten die Etablierung sogenannter Wissenstransferzentren an. "Es war klar, dass die strukturelle Zusammenarbeit noch weiter gestärkt werden und das Verwertungspotenzial noch weiter ausgeschöpft werden sollte", sagt dazu Barbara Weitgruber, zuständige Sektionschefin im Wissenschaftsministerium, im STANDARD-Gespräch.

Insgesamt 20 Millionen Euro, davon 15 vom Wissenschaftsressort, sollen in drei regionale Ansprechstellen für Wissenschafter und Unternehmen, ein Wissenstransferzentrum im Bereich Life Sciences und in zwei Module, die sich mit Patent- und Prototypenförderung befassen, fließen.

"Im Moment hat im Rahmen der Leistungsvereinbarungen bereits jede Universität eine Verwertungsstrategie für sich", sagt Weitgruber. Die regionalen Stellen "sollen einen One-Stop-Shop für die Wissenschaft und die Wirtschaft darstellen. Die Idee war, mit diesem Programm die gesamte Kette des Wissenstransfers abzudecken." Betriebe sollen sich mit konkreten Fragen an die Zentren wenden und "die bestmögliche standortbezogene Antwort" bekommen.

"Soziale Innovation" fördern

Umgekehrt können Wissenschafter die Zentren konsultieren, um Unternehmen für die Verwertung von Forschungsergebnissen zu finden. Auch geförderte Kooperationsprojekte der Hochschulen mit Einrichtungen wie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Ludwig Boltzmann Gesellschaft, dem IST Austria, der Christian-Doppler-Gesellschaft, AplusB-Zentren oder Fachhochschulen sind möglich.

Eine Besonderheit liege, so Weitgruber, im Schwerpunkt für den Wissenstransfer im Bereich Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften (GSK) und Kunst. Die "soziale Innovation", der Beitrag der GSK für den Wissenstransfer etwa in Form von Kooperationen mit Museen, ist mit maximal 150.000 Euro pro Zentrum und Jahr dotiert - zusätzlich zu den jeweils 500.000 Euro, mit denen das Wissenschaftsministerium die drei Regionalstellen finanziert.

Geld aus dem Wirtschaftsressort - 1,5 Millionen Euro für drei Jahre - kommt für ein Wissenstransferzentrum mit Fokus auf die Medikamentenentwicklung. Dort sollen etwa freie Kapazitäten von Versuchs- und Diagnosegeräten vermittelt werden, um die Auslastung zu verbessern, ist aus dem Ministerium zu hören. Daneben sei aber auch die Förderung konkreter Projekte möglich.

Ein eigenes, vom Wissenschaftsministerium finanziertes Programmmodul zur Patentförderung soll darüber hinaus dafür sorgen, dass jene Erfindungen weiterentwickelt werden, die hohes Verwertungspotenzial haben. Kosten zur Erlangung des Schutzrechts, nationale und internationale Anmeldegebühren und ähnliche Ausgaben werden gefördert.

Und auch ein Modul zur Prototypenförderung soll ausgeschrieben werden. Einreichungen aus der Grundlagenforschung sollen von einer Fachjury beurteilt werden, um bis zu 150.000 Euro vom Wirtschaftsministerium zu lukrieren. Förderwerber müssen dabei nachvollziehbar darstellen, inwiefern der Technologiebedarf für Klein- und Mittelbetriebe gegeben ist. Unternehmenspartner muss bei der Antragstellung noch keiner vorhanden sein.

Erweiterung möglich

"Vor allem die Entwicklung von Prototypen wird stärker gefördert als bisher. Je schneller Innovationen patentiert und in der Praxis vermarktet werden können, desto besser für die Wettbewerbsfähigkeit", sagt Sektionschef Michael Losch vom Wirtschaftsministerium. "Durch eine engere Kooperation sparen sich alle Beteiligten Zeit und Kosten."

Das von der Förderbank Austria Wirtschaftsservice abgewickelte Programm soll durch einen Beirat, ein laufendes Monitoring und externe Evaluierung bewertet werden. Von dem Ergebnis hängt auch eine eventuelle Ausweitung des Budgets oder die Installierung weiterer Module ab, heißt es im Wirtschaftsministerium.(Alois Pumhösel, DER STANDARD, 25.9.2013)

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    Ergebnisse universitärer Forschung sollen künftig schneller den Weg hin zu einer wirtschaftlichen Verwertung finden.

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