Geniestreiche und Wundermaschinen

24. September 2013, 18:33
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Beim European Union Contest for Young Scientists waren auch zwei Teams aus Österreich unter den Gewinnern

Ein Zelt voller Teenager mit coolen Frisuren und schicken Kleidern, die tratschen und scherzen, manche flirten, andere knutschen in einer Ecke, und ein paar stehen draußen und rauchen. Wer in den letzten Tagen das Incheba-Ausstellungsgelände im Norden von Prag betrat, hatte zunächst den Eindruck, sich auf einer Schullandwoche zu befinden. Erst auf den zweiten Blick wird der eigentliche Grund des Zusammentreffens erkennbar: Zur 25. Auflage des European Union Contest for Young Scientists (EUCYS) versammelten sich letzte Woche die Besten der europäischen Jungwissenschafter in der tschechischen Hauptstadt.

Von Samstag bis Montag präsentierten Jugendliche dort ihre Geniestreiche und Wundermaschinen, an denen sie parallel zur Schule gearbeitet haben. Alle haben Hochglanzposter mit Fotos und Zahlen mitgebracht, manche haben Anschauungsstücke, Folder, Buttons oder Kekse dabei, um für ihr Projekt zu begeistern, und dennoch beeindrucken noch mehr als die Präsentationen selbst die Ideen dahinter.

Nach der dreitägigen Präsentation der Projekte vor Besuchern und einer internationalen Fachjury wurden am Dienstag die Sieger gekürt. Die drei ersten Preise gingen an Projekte aus Großbritannien, Finnland und Irland. Auch ein Team aus Österreich konnte einen der Hauptpreise abräumen: Yuki Trippel, Thomas Steinlechner und Dominik Kovacs wurden für ihr Projekt "Anastomose Robot Tool" mit einem der drei zweiten Preise ausgezeichnet.

Sie haben ein Operationswerkzeug weiterentwickelt, das Operationen mit minimalem Eingriff an allen Stellen des Dickdarms ermöglicht - was bisher nur im Rahmen einer größeren Operation durchführbar war. Die Idee für das Projekt entstand durch ein Gespräch mit Trippels Großvater, einem Arzt, den sie fragten, welches Gerät in der Medizin noch verbesserungswürdig wäre. An der Umsetzung arbeiteten sie während des letzten Schuljahrs im Rahmen ihrer Diplomarbeit an der HTL Mödling. Die größte Herausforderung dabei war, die leistungsstarken Motoren auf möglichst kleinem Platz unterzubringen, erzählten sie. Ihr Projekt "Anastomose Robot Tool" war eines der zwei Projekte aus Österreich, die unter den 58 Projekten aus 37 Nationen vertreten waren.

Vor der Matura im Patentamt

Nun sind sie mit der Patentanmeldung beschäftigt und damit, ihren Prototyp auf den Markt zu bringen, auch das Preisgeld von 5000 Euro wollen sie darin investieren. Doch wie stellt man das als Teenager an, ein Patent anzumelden? "Wir haben herausgefunden, dass das Patentamt Seminare für Einsteiger anbietet, da sind wir hingegangen, und alle waren sehr zuvorkommend", sagte Trippel. Außerdem hat die Förderbank Austria Wirtschaftsservice (AWS) sie unter Vertrag genommen und wird behilflich sein, Geschäftspartner zu finden. Was die drei aber vor allem antreibt, ist, "etwas Gutes für die Menschen zu tun", sagte Steinlechner.

Einen Gang weiter, wo sich alle Projekte zum Computing versammelten, präsentierten Lorenz Leutgeb und Moritz Wanzenböck ihre Forschung. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit an der HTL Ottakring haben sie einen Algorithmus entwickelt, der dazu beitragen könnte, Glasfaserkabel effizienter zu nutzen - angesichts ständig wachsender Datenmengen im Internet eine ambitionierte Problemstellung. Ersten Testergebnissen zufolge könnten so bestehende Netzwerke um 25 bis 30 Prozent optimiert werden. Auch das zweite österreichische Team kommt nicht mit leeren Händen nach Hause: Sie gewannen den Preis des Joint Research Center der EU, der den beiden einen Forschungsaufenthalt in Brüssel ermöglichen wird.

Mathematik zum Angreifen

Nebenan präsentierte Lennart Kleinwort sein Werk: Mit der Android-App "FreeGeo" hat er eine Möglichkeit geschaffen, "Mathematik anzugreifen", wie er meinte. Sie kann etwa im Schulunterricht dafür verwendet werden, abstrakte Formeln geometrisch anschaulich darzustellen und per Handmodus mit den Fingern zu bewegen - schon jetzt ist sie in mehreren Schulen in Deutschland im Einsatz. Weil man mit dieser App auch exzellente Grafiken für wissenschaftliche Publikationen produzieren kann, ist der Neuntklässler aus Bayern auch mit Unis im Gespräch. Am Ende des Wettbewerbs wurde er dafür von der Jury ebenfalls mit dem zweiten Preis geehrt.

"Manchmal gibt es schon Leute, die meinen, ich sei verrückt", erzählte Edvinas Misiukevicius, ein weiterer Preisträger. Seit sieben Jahren arbeitet er im Garten seiner Großmutter daran, eine neue Gattung der Taglilien zu züchten, angepasst an das Klima seines Herkunftslandes Litauen. Allein im letzten Jahr hat er beinahe 1000 Euro investiert, um Taglilien-Samen aus aller Welt anzukaufen. Sein derzeitiges Prachtstück, eine Taglilie mit dunkelvioletten Blütenblättern, das der nordischen Witterung standhält, hat er "Mitsu" genannt, die Samen davon gibt er nicht weiter, sondern führt sie sofort wieder der Forschung zu.

EUCYS ist ein Wettbewerb, zu dem alle schon als Gewinner angereist sind: Um sich dafür zu qualifizieren, haben die Teilnehmer nationale Wettbewerbe gewonnen. Die Teams aus Österreich sind Sieger des Wettbewerbs "Jugend Innovativ" des Bildungs- und Wirtschaftsministeriums, der jährlich vom AWS organisiert wird. Mittlerweile ist der von der Europäischen Kommission organisierte Wettbewerb älter als seine Teilnehmer: Heuer fand EUCYS bereits zum 25. Mal statt. Unter den 126 Jugendlichen sind heuer 44 Mädchen - Grund genug für die Kommission, die Teilnahme von Mädchen verstärkt zu forcieren, einerseits durch stärkere Einbindung der Sozialwissenschaften, andererseits durch die Kampagne "Science, it's a girl thing". Die Gewinner des nächsten Jahrgangs von "Jugend Innovativ" werden 2014 bei EUCYS in Warschau vertreten sein. (Tanja Traxler aus Prag, DER STANDARD, 25.9.2013)

  • Das Forschungswerkl am Laufen halten: Nachwuchsforscher denken voraus.
    illu: fatih aydogdu

    Das Forschungswerkl am Laufen halten: Nachwuchsforscher denken voraus.

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