"Ich bin kein Kandidat!"

24. September 2013, 17:34
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Laut und persönlich wurde der Kanzler also, eigentlich zu Recht

"Was wir schaffen wollen mit dem faktischen Pensionsalter, ist, dass uns die Lebenserwartung nicht davonläuft, sondern dass der Ausgabensektor von sechs Prozent BIP ...", erklärte der Kanzler, ohne das Satzkunstwerk vollenden zu können. Peter Rabl hatte ihn in der "Wahlarena" schon wieder unterbrochen, worauf der Kanzler Rabl frug, ob selbiger "nicht selbst kandidieren" wolle. Öha!

Rabl verneinte ("Ich bin kein Kandidat! Mich müssen Sie nicht niederreden!"), man beruhigte sich indes nur kurz - bis zur nächsten Unterbrechung, nach welcher der Kanzler wirkte, als stünde ihm in Rabl-Form eine Oppositionsarmee gegenüber: "Lassen Sie mich ausreden! Oder laden Sie nur sich selbst ein? Das wäre ein Abend mit Ihnen alleine, Herr Rabl!"

Laut und persönlich wurde der Kanzler also, eigentlich zu Recht. Rabl tat seinen Fragejob, zeigte aber auch, wie schwer es ist, die Balance zwischen "ausreden lassen" und "nicht schwafeln lassen" zu finden.

Der Kanzler jedenfalls pflog jenen forschen Stil, den er vor einiger Zeit - als Reform seines öffentlichen Selbst - in der ZiB2 präsentiert hatte, indem er Armin Wolf nicht nur mit plötzlich tieferer Stimme überraschte ("Herr Wolf, ich bin noch nicht fertig!"). Selbiger Entschlossenheitsstil scheint nun jedoch durch das TV-Redefest der letzten Wochen automatenhafte Energie erlangt zu haben.

Dass Antworten oft mit parallel geführten Händen unterstützt wurden, die etwas von Handkantenschlägen hatten (Karate-Coach?), rundete dieses Kanzlerbild ab - an einem Abend, der unterhaltsam blieb, als dann Hans Peter Haselsteiner die Widersprüche zwischen sich und den Neos aufzulösen suchte. Dennoch schön, dass es bald vorbei ist. (Ljubisa Tosic, DER STANDARD, 25.9.2013)

  • Auch Teil des TV-Redefests der vergangenen Wochen: Werner Faymann
    foto: puls 4

    Auch Teil des TV-Redefests der vergangenen Wochen: Werner Faymann

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