Am Altar des Subventionssystems

24. September 2013, 17:52
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Standard-Diskussion zu Wirtschaft und Kunst

Wien - Geld regiert bekanntlich die Welt - also auch die Kunst. Die Frage ist nur: Wie viel Wirtschaft braucht die Kunst? Und wie viel Kunst die Wirtschaft? Das wollte Standard-Kulturchefin Andrea Schurian Montagabend im Studio 44 der Casinos Austria von der Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums, Sabine Haag, dem Salzburger Festspiel-Intendanten Alexander Pereira, dem Vorstandsmitglied der Oesterreichischen Kontrollbank, Rudolf Scholten, und dem Generaldirektor der Casinos Austria, Karl Stoss, wissen.

Die Wirtschaft brauche viel Kunst, stellte Stoss gleich zu Beginn fest. In unserer rationalen Welt wären Freiräume nötig. Wo die Kunst aber die Wirtschaft braucht, sieht Alexander Pereira die Solidarität zwischen Staat, privaten Unterstützern und Wirtschaft zerstört. Der Staat habe alle kulturellen Werte an sich gerissen, Mäzene vergrault. Sein Versuch, die Solidarität wiederherzustellen, sei ihm vom Staat nicht gedankt worden. Er sieht Gefahr im Verzug: "Wir malen jedes Jahr die Gebäude weiß an, aber innen drin fressen die Termiten alles auf."

Scholten ist das zu viel Pathos - zu 90 Prozent ginge es nicht um Mäzene, sondern um Investoren. Und diese erwarteten eine Gegenleistung. Viele Initiativen seien daneben komplett von öffentlichem Geld abhängig. Politiker befänden sich immer im Zwiespalt: große Tanker oder kleine Schiffe. Freilich sei man gut beraten, die Festspiele zu subventionieren, die Kleinen aber brauchen das Geld.

Dem europäischen Subventionssystem singt Pereira ein Loblied: Er knie jeden Tag vor seinem Altar. Amerika sei man weit überlegen. Kulturmanager jedoch seien hierzulande schlecht ausgebildet: "Nicht nur Geld ausgeben, auch akquirieren!"

Das ist, so Sabine Haag, auch für ein führendes Museum kein Selbstläufer. Mit der Gießkanne käme man nicht weit, man müsse "ganz gezielt auf Sponsoren zugehen". Dass diese sich am Ende einmischen, entlarvt Rudolf Scholten als Vorurteil. "Die Zusammenarbeit ist in der Realität viel einfacher als in solchen Grundsatzdebatten." "Gemeinsamkeit" ist ohnehin für alle ein zentraler Aspekt. Alexander Pereira findet das passende Schlusswort: "Wichtig ist, dass alle dasselbe wollen." (Andrea Heinz, DER STANDARD, 25.9.2013)

  • Sabine Haag, Alexander Pereira, Rudolf Scholten, Karl Stoss und Moderatorin Andrea Schurian (von links).
    foto: standard/hendrich

    Sabine Haag, Alexander Pereira, Rudolf Scholten, Karl Stoss und Moderatorin Andrea Schurian (von links).

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