Polizei ermittelt nach Hitlergrüßen in Graz

24. September 2013, 14:59
857 Postings

Kritik von ÖVP und SPÖ nach Strache-Event mit Hitlergrüßen, RFJ hat nichts gesehen

Graz - "Die Strache-FPÖ hat sich nicht geändert und wird sich nicht ändern": So kommentiert der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) am Dienstag die Hitlergrüße, die Strache-Fans am Vorabend vor dem Fenster seines Rathausbüros offen gezeigt hatten (derStandard.at berichtete). Einige von ihnen waren im überschaubaren, von der Polizei eigens abgetrennten "Fansektor" bei der Wahlkampfveranstaltung Heinz-Christians Straches versammelt.

"Es wird langsam schwierig, sich bei so einer kleinen Gruppe, die sich da eingefunden hat, von Einzelnen mit Hitlergruß zu distanzieren", übt Nagl Kritik am Koalitionspartner, der gemeinsam mit der SPÖ und ihm Graz regiert.

Auch SPÖ-Vizebürgermeisterin Martina Schröck zeigte sich am Dienstag "erschrocken" und wirft der FPÖ vor, "nicht nur am rechten Rand, sondern mittendrin im braunen Sumpf" zu stehen.

Einer der Männer, der auf mehreren Fotos in unmittelbarer Nähe jener steht, die Nazi-Gesten zeigen, konnte nach einer STANDARD-Recherche als Andreas Kohlberger identifiziert werden, stellvertretender Obmann des Rings Freiheitlicher Jugend (RFJ) Steiermark und Bezirksobmann des RFJ Leibnitz. Kohlberger ist zudem im Bundesvorstand des RFJ. DER STANDARD erreichte ihn an seinem Arbeitsplatz: dem Regierungsbüro von FPÖ-Landesrat Gerhard Kurzmann.

RFJ-Vostandsmitglied: "Bürgernähe ist uns wichtig"

Kohlberger will die Männer, mit denen er beisammenstand, nicht gekannt haben, obwohl einige von ihnen das RFJ-Logo am T-Shirt trugen: "Wir unterhalten uns auch mit Fremden, Bürgernähe ist ja wichtig." Zudem sei das RFJ-Logo verteilt worden, man müsse nicht Mitglied sein, um es zu tragen. Hitlergrüße habe er keine gesehen. Gefragt, ob die Brille, die er auf der RFJ-Homepage trage, die am Montag aber fehlte, eine optische sei, sagt er: "Nein, ich habe 0,0 Dioptrien."

Kohlberger betont aber: "Natürlich muss man sich von solchen Gschichtln distanzieren." Von welchen genau? "Also, ich distanziere mich ganz klar von dem Gruß, falls das ein Hitlergruß war", ergänzt er. Er habe nicht gesehen, was zwischen ihm und der Bühne los war: "Mein Blick war nur auf die Bühne gerichtet."

Polizei ermittelt

Die Sozialistische Jugend fotografierte vor Ort und will bei der Staatsanwaltschaft nach dem NS-Verbotsgesetz Anzeige erstatten. Die Polizei ermittelt bereits selbst, da sie über eigene Aufnahmen der Vorfälle verfügt. Die Bundes-FPÖ war für den STANDARD nicht erreichbar. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 25.9.2013)

  • Hitlergruß am Grazer Hauptplatz während eines Auftritts von FPÖ-Chef Strache.
    foto: pay

    Hitlergruß am Grazer Hauptplatz während eines Auftritts von FPÖ-Chef Strache.

Share if you care.